Paris – 09.07.2026: Eine internationale Recherche legt nahe, dass der Glücksspielanbieter Soft2Bet, mit Verbindungen nach Zypern und Malta, in den vergangenen Jahren von einem Netz unlizenzierter Casino-Webseiten profitierte. Nach Auswertungen von Investigate Europe, Franceinfo und weiteren Partnern sollen über verknüpfte Marken und Partnerseiten Umsätze in Höhe von Hunderten Millionen Euro geflossen sein – teils aus Ländern, in denen die betreffenden Angebote auf Sperr- oder Warnlisten stehen. Die Analyse stützt sich auf geleakte Zahlungsdaten, Traffic-Auswertungen und Dokumente aus dem Umfeld von Zahlungsdienstleistern.
Mehrere nationale Regulierungsbehörden, darunter Frankreichs Autorité Nationale des Jeux (ANJ) sowie Aufsichten in Italien und Spanien, hatten einzelne Marken wiederholt als nicht lizenziert eingestuft und technische Sperren oder Warnhinweise veranlasst. Dennoch verzeichneten die untersuchten Seiten laut Daten der Recherche weiterhin hohen Besucherverkehr aus EU-Staaten. Hinweise deuten darauf, dass Betreiberstrukturen und Markennamen zwischen Gesellschaften in Zypern, Malta und Offshore-Jurisdiktionen verschoben wurden, um Aufsichtsmaßnahmen zu umschiffen oder zu verzögern.
Im Mittelpunkt der Kritik stehen zudem Zahlungsketten: Demnach nutzten die Betreiber Intermediäre und Dienstleister, über die Kundengelder kanalisiert wurden, bevor sie in offiziellen Abschlüssen sichtbar waren. Die ausgewerteten Leaks zeigen umfangreiche Transaktionen sowie Vergütungen für Plattformdienste, die den Webseitenbetreibern zugerechnet werden. Fachleute werten dies als Indiz dafür, dass wirtschaftliche Eigentümerstrukturen verschleiert und Aufsichtsgrenzen zwischen EU-Ländern ausgenutzt wurden.
Soft2Bet weist die Vorwürfe pauschal zurück und verweist auf geltende Lizenzen für bestimmte Aktivitäten, unter anderem über eine maltesische Einheit, sowie auf interne Compliance-Prozesse. Das Unternehmen betont, sich an regulatorische Vorgaben zu halten und auf Anordnungen der Behörden zu reagieren. Zugleich zeigen die Recherchen, dass einzelne Marken, die in Verbindung mit Soft2Bet gebracht werden, wiederholt auf nationalen Sperrlisten auftauchen oder wegen fehlender Zulassungen beanstandet wurden.
Behörden reagieren unterschiedlich: Während einige Regulatoren Sperrlisten aktualisierten, Netzsperren anordneten und Warnhinweise veröffentlichten, prüfen andere mögliche Verstöße weiter. Expertinnen und Experten fordern eine engere grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Aufsichten, strengere Prüfungen bei Zahlungsdienstleistern und mehr Transparenzpflichten entlang der Betreiberketten. Ziel sei es, Verbraucher besser zu schützen, Werbebeschränkungen durchzusetzen und die Umgehung nationaler Lizenzregime zu erschweren.
Die Veröffentlichung ist Teil einer laufenden Serie internationaler Medienberichte. Franceinfo, Investigate Europe und Partner haben in den vergangenen Tagen Datenauswertungen, Hintergrundstücke und Reaktionen von Aufsichtsbehörden publiziert. Französische Stellen kündigten weitere Prüfungen an; in anderen EU-Ländern sind ähnliche Schritte möglich. Ob daraus Ermittlungen oder Sanktionen folgen, ist offen. Klar ist: Der Markt für Online-Glücksspiel wächst dynamisch – und stellt Regulierer, Zahlungsdienstleister und Anbieter vor die Aufgabe, legale Angebote von unzulässigen strikt zu trennen.
Quellen
- Investigate Europe
- Franceinfo
- Bayerischer Rundfunk
- Tagesschau