Caudan – 17.07.2026: Renault steht nach einem Bericht von Franceinfo offenbar kurz davor, 4,5 Millionen Euro zur Rettung der Fonderie de Bretagne bereitzustellen. Die Gießerei im bretonischen Caudan befindet sich seit dem 3. Juli in einem gerichtlichen Sanierungsverfahren. Die angekündigte Unterstützung könnte verhindern, dass der Standort mit seinen 245 Beschäftigten liquidiert wird.
Nach Angaben, über die Franceinfo unter Berufung auf France Inter berichtet, zeigt sich Renault grundsätzlich bereit, den benötigten Betrag freizugeben. Eine offizielle Bestätigung des Konzerns zu einer verbindlich beschlossenen Zahlung lag zunächst nicht vor. Damit bleibt offen, unter welchen Bedingungen das Geld überwiesen wird und welche Verpflichtungen damit für die aktuelle Eigentümerin Europlasma verbunden wären.
Das Handelsgericht von Lorient hatte der Fonderie de Bretagne nach der Eröffnung des Sanierungsverfahrens eine Frist bis zum 17. Juli gesetzt, um die Finanzierung des Betriebs zu sichern. Mehrere Berichte hatten den kurzfristigen Kapitalbedarf zuvor mit mindestens drei Millionen Euro beziffert. Ohne ausreichende Mittel drohte dem traditionsreichen Industriebetrieb im Département Morbihan die Abwicklung.
Die Fonderie de Bretagne produziert Gussteile, die ursprünglich vor allem für die Automobilindustrie bestimmt waren, darunter Komponenten für Fahrwerke und Abgasanlagen. Renault war lange Eigentümer und wichtigster Auftraggeber des Werks. Im April 2025 übernahm die Unternehmensgruppe Europlasma den Betrieb im Rahmen eines früheren Sanierungsverfahrens. Die Übernahme war mit Plänen zur Diversifizierung der Produktion verbunden.
Europlasma wollte neben dem verbliebenen Automobilgeschäft auch Aufträge aus dem Verteidigungsbereich erschließen. Der erneute finanzielle Engpass zeigt jedoch, wie unsicher der Umbau des Standorts weiterhin ist. Beschäftigte und Gewerkschaftsvertreter hatten Renault zuletzt dazu aufgefordert, sich erneut an einer Lösung zu beteiligen, weil der Autobauer eng mit der Geschichte und der Auslastung des Werks verbunden ist.
Eine Zusage von 4,5 Millionen Euro wäre mehr als die zuvor genannte Mindestsumme zur kurzfristigen Stabilisierung. Sie würde aber nicht automatisch alle strukturellen Probleme lösen. Entscheidend bleibt, ob die Fonderie dauerhaft ausreichende Aufträge, belastbare Investitionen und eine tragfähige Finanzierung erhält. Auch die Rolle von Europlasma und die konkreten Bedingungen einer möglichen Renault-Hilfe dürften nun im Mittelpunkt stehen.
Für die Beschäftigten in Caudan wäre eine rasche Einigung ein wichtiger Zwischenschritt. Der Standort gilt in der Region Lorient als bedeutender Industriearbeitgeber. Eine Rettung vor der Liquidation würde zunächst Arbeitsplätze und industrielles Know-how sichern. Eine dauerhafte Perspektive hängt jedoch davon ab, ob die geplante Neuausrichtung wirtschaftlich umgesetzt und durch langfristige Aufträge abgesichert werden kann.
Quellen
- Franceinfo
- Reuters via Boursorama
- Le Journal des Entreprises