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Jean-Paul Huber · 16.07.2026

RN-Abgeordneter Jacobelli ordnet Le Pen, Sterbehilfe und Hitzewelle ein

Paris – 16.07.2026: Laurent Jacobelli, Abgeordneter des Rassemblement National aus dem Departement Moselle, war am Donnerstagmorgen Gast der Sendung "8h30 franceinfo". Das Gespräch setzte drei politisch besonders aktuelle Themen in Beziehung: die Rolle Marine Le Pens im Hinblick auf die Präsidentenwahl 2027, die am Vortag im Parlament beschlossene Neuregelung zur Sterbehilfe sowie die Folgen der anhaltenden außergewöhnlichen Hitze in Frankreich.

Die Präsenz eines RN-Sprechers in dieser Debatte fällt in eine Phase, in der Marine Le Pen ihre politische Rückkehr vorbereitet. Ihre persönliche und juristische Lage bleibt für die Strategie des Rassemblement National entscheidend. Innerhalb der Partei steht damit nicht nur die Kandidatenfrage im Mittelpunkt, sondern auch das Verhältnis zwischen Le Pen und dem Parteivorsitzenden Jordan Bardella. Beide verkörpern unterschiedliche, aber eng miteinander verknüpfte Machtzentren des RN.

Unmittelbarer Anlass für die Diskussion über das Lebensende ist die endgültige Verabschiedung des Gesetzes zum Recht auf Hilfe beim Sterben durch die Nationalversammlung am Mittwoch, dem 15. Juli. Die Abgeordneten verabschiedeten den Text nach mehreren Lesungen mit 291 gegen 241 Stimmen. Parallel wurde ein Gesetz zu Palliativversorgung und Begleitung beschlossen. Die Reform markiert einen tiefgreifenden Eingriff in das französische Gesundheits- und Ethikrecht.

Das neue Regelwerk soll schwer und unheilbar erkrankten volljährigen Personen unter genau bestimmten Voraussetzungen Zugang zu einer Hilfe beim Sterben eröffnen. Es verbindet eine individuelle Entscheidung mit ärztlicher Prüfung, einer Wartefrist und dem jederzeit möglichen Widerruf des Antrags. Die Trennung zwischen einer erweiterten Palliativversorgung und der Hilfe beim Sterben war politisch bewusst gewählt, konnte den grundsätzlichen Konflikt über Selbstbestimmung, Schutzbedürftigkeit und ärztliche Verantwortung jedoch nicht auflösen.

Für den RN ist dieses Thema auch strategisch bedeutsam. Die Partei bemüht sich, über ihre traditionellen Felder Migration, Sicherheit und Kaufkraft hinaus als politische Kraft zu erscheinen, die gesellschaftliche und bioethische Fragen eigenständig beantwortet. Gerade die Sterbehilfe zwingt jedoch zu klaren Positionen, weil sie parteiübergreifend Gewissensentscheidungen auslöst und sich nur begrenzt entlang der üblichen Links-rechts-Gegensätze ordnen lässt.

Die Hitzewelle bildet den dritten Hintergrund des Interviews. Frankreich erlebte seit Mitte Juni eine außergewöhnlich lange und intensive Folge hoher Temperaturen. Gesundheitsbehörden meldeten für die vorangegangenen Hitzephasen erhebliche Belastungen, insbesondere für ältere Menschen, chronisch Kranke und Beschäftigte im Freien. Die Wetterwarnungen von Météo-France dienen dabei nicht nur der allgemeinen Information, sondern aktivieren abgestufte Vorsorge- und Schutzmaßnahmen der Behörden.

Damit berührt das Gespräch eine politische Kernfrage des Sommers 2026: Wie verbindet Frankreich den Schutz besonders gefährdeter Menschen mit langfristiger Vorsorge gegen Klimarisiken? Die Debatte reicht von der Kühlung öffentlicher Gebäude über Arbeitsbedingungen bis zur Ausstattung von Pflegeeinrichtungen. Für den RN bietet sie die Möglichkeit, staatliche Vorbereitung und Infrastrukturpolitik zu kritisieren. Zugleich erhöht sie den Druck auf alle Parteien, konkrete Anpassungsmaßnahmen statt allgemeiner Klimabekenntnisse vorzulegen.

Quellen

  • Franceinfo
  • Franzoesische Regierung
  • Nationalversammlung
  • Santé publique France
  • Météo-France