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Patrice Tiko · 27.06.2026

Simonne Bloch: Die unbekannte Partnerin an der Seite von Marc Bloch

Paris – 23.06.2026: Am 23. Juni 2026 wurde Marc Bloch, ein Pionier der modernen Geschichtswissenschaft und Widerstandskämpfer, posthum in das Pariser Panthéon aufgenommen. Dies fand in einer Zeremonie statt, die auf die republikanischen Werte Frankreichs verwies und Bloch als herausragenden Historiker würdigte – als ersten überhaupt seit 1791, der diese Ehre erhielt.

Marc Bloch, geboren 1886 in Lyon, war Mitbegründer der Annales-Schule und bekannt für seinen interdisziplinären Zugang zur Geschichte. Während des Zweiten Weltkriegs schloss er sich dem Widerstand an und wurde 1944 von der Gestapo ermordet. Seine Frau, Simonne Vidal, geboren im gleichen Jahr in Lyon, spielt eine stille, aber wichtige Rolle in der persönlichen Geschichte Blochs. Über ihr eigenes Wirken und Leben ist wenig bekannt, obwohl sie ihm mit großer Loyalität zur Seite stand.

Die Veranstaltung im Panthéon war geprägt von berührenden Reden und musikalischen Darbietungen, die die Bedeutung von Blochs Werk und Einsatz für die Freiheit hervorhoben. Sein Gedenkstein wurde gemeinsam mit dem seiner Frau in das Panthéon-Krypta, Grabnische Nummer 13, überführt. Neben dem steinernen Mahnmal fanden sich dort Erinnerungsstücke wie Blochs Militärmedaillen, persönliche Briefe und eine Seite seines berühmten Werks „Apologie für die Geschichte“.

Staatspräsident Emmanuel Macron sprach bei der Zeremonie und würdigte Bloch als Symbol für den intellektuellen und moralischen Widerstand gegen Unterdrückung. Er verurteilte ausdrücklich Antisemitismus und die Verstrickungen des damaligen Vichy-Regimes. Dabei stellte er Bloch als Kämpfer für Wahrheit und Menschenwürde in den Mittelpunkt.

Vorbereitend hatte die Familie Blochs eine klare Linie vorgegeben: Die Ehrung solle rein zivil bleiben und frei von religiösen oder politischen Ausschmückungen sein. Die akademische Gemeinschaft beteiligte sich breit, um Blochs historische Bedeutung zu betonen.

Mit der Aufnahme von Marc und Simonne Bloch ins Panthéon wird nicht nur das Vermächtnis Marc Blochs geehrt, sondern auch auf die Rolle seiner Ehefrau aufmerksam gemacht, deren Leben bislang kaum beleuchtet wurde. Diese Geste erinnert an den Widerstand gegen Intoleranz und Unterdrückung und an die Werte, für die sie gemeinsam standen.

Begleitend zur Ehrung findet vom 25. Juni 2026 bis 10. Januar 2027 die Ausstellung „Marc Bloch, der Geist der Geschichte“ in der Krypta des Panthéons statt. Dort werden weitere Einblicke in das Leben und Wirken des Historikers geboten, begleitet von einem tieferen Blick auf seine Ehefrau Simonne Bloch.

Diese Ehrung im Herzen von Paris unterstreicht das anhaltende Interesse an der Aufarbeitung der französischen Geschichte und an den Persönlichkeiten, die sie geprägt haben – weit über das Wirken eines einzelnen Historikers hinaus.

Quellen

  • Le Monde