Paris – 10.06.2026: Die vier größten Gewerkschaften der SNCF – CGT Cheminots, UNSA Ferroviaire, SUD-Rail und CFDT Cheminots – veranstalten am 10. Juni einen landesweiten Streik. Anlass sind die unzureichenden Lohnerhöhungen angesichts der Inflation und die zunehmende Filialisierung des staatlichen Eisenbahnunternehmens, die laut Gewerkschaften negative Folgen für die Beschäftigten hat.
Im Detail kritisieren die Gewerkschaften, dass die Löhne in der SNCF trotz einer Inflation von 1,7 % zwischen März 2025 und März 2026 nur um 0,18 % angehoben wurden. Die gewählte Einmalzahlung von 400 Euro im Dezember 2025 sei ein unzureichender Ausgleich. Dies führt bei den Mitarbeitern zu erheblichen Unzufriedenheiten, die sich im heutigen Streik manifestieren.
Neben den Löhnen steht die Filialisierung im Fokus der Kritik. Die SNCF gründet zunehmend Tochtergesellschaften, die aus Sicht der Gewerkschaften zu einer Fragmentierung des Unternehmens führen, die Rechte der Beschäftigten einschränken und die Arbeitsbedingungen verschlechtern. Die Streikenden fordern ein Ende dieser Entwicklung und warnen vor weiteren negativen Folgen.
Der Streik hat erhebliche Auswirkungen auf den Zugverkehr. Auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken (TGV) fallen etwa ein Drittel der Verbindungen aus, auf den Intercités-Strecken etwa die Hälfte. Besonders hart trifft es die Regional- und Vorortzüge, die zudem einem zunehmenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt sind. Die SNCF hat mit umfassenden Einschränkungen gerechnet, was den Pendlerverkehr und den Fernreiseverkehr stark beeinträchtigt.
Die vier Gewerkschaften erklärten, den Streik fortzusetzen, sollte die Unternehmensleitung keine verhandelbaren Lösungen vorlegen. Am 11. Juni 2026 ist eine intergewerkschaftliche Sitzung geplant, um die weitere Strategie zu beraten. Die Auseinandersetzung ist die erste große Bewährungsprobe für den neuen SNCF-CEO Jean Castex, der seit November 2025 im Amt ist.
Castex steht unter Druck, schnell auf die Forderungen zu reagieren, um die Arbeitsbeziehungen zu beruhigen und den Betrieb der SNCF zu stabilisieren. Sein Vorgehen könnte wegweisend für das Unternehmen in einer Phase sein, in der eine Öffnung des Marktes für den Bahnverkehr neue Herausforderungen mit sich bringt. Die Gewerkschaften verbinden ihre Lohnforderungen auch mit dem Ruf nach einer sozial verträglichen Anpassung der SNCF an den Wettbewerbsdruck und einer Sicherung der Arbeitsbedingungen.
Die Streikaktion ist nicht nur von wirtschaftlicher, sondern auch von politischer Bedeutung, da die Verkehrspolitik und soziale Fragen in Frankreich traditionell hohe Aufmerksamkeit erhalten und schnellen Handlungsbedarf signalisieren. Die kommenden Tage werden zeigen, ob sich die neuen Verantwortlichen auf einen Kompromiss einigen können, der weitere Streiks vermeidet.
Quellen
- Franceinfo