Paris – 12.07.2026: Der französische Kultursommer spielt sich nicht allein zwischen Seine und Boulevard ab. Eine aktuelle Auswahl von Franceinfo versammelt zehn Ausstellungen in den Regionen, die den Urlaub zu einer kleinen Kunstreise machen können. Dahinter steht eine ebenso einfache wie reizvolle Idee: Wer ans Meer, in die Berge oder zu Verwandten fährt, muss auf große Bilder, eigenwillige Sammlungen und kluge Gegenwartskunst keineswegs verzichten.
In Nantes etwa setzt die Hab Galerie im Rahmen des Voyage a Nantes auf die Ausstellung "Interstellar". Rund zwanzig Künstlerinnen und Künstler aus bildender Kunst, Fotografie, Video und Design entwerfen dort ihre Vorstellungen einer neu imaginierten Erde. Es ist ein Programm, das die sommerliche Leichtigkeit nicht mit Gedankenarmut verwechselt: Landschaft erscheint als Zukunftsfrage, als Erinnerungsspeicher und als Ort, an dem sich Technik, Ökologie und Imagination begegnen.
Das Musée d'arts de Nantes zeigt zugleich bis zum 30. August eine Ausstellung, die auf die eigenen öffentlichen Sammlungen der Stadt zurückgreift. Meteoriten aus dem Naturkundemuseum, Leihgaben des Musée Jules-Verne und kostbare Bestände der Stadtbibliothek treten dabei in einen Dialog mit zeitgenössischen Positionen. Gerade diese Mischung macht den Reiz regionaler Häuser aus: Sie müssen nicht stets auf den nächsten Blockbuster zielen, weil sie ihre Schätze kennen.
Weiter nördlich lädt das Musée de Picardie in Amiens bis zum 27. September zu französischen Zeichnungen aus privaten Sammlungen ein. Namen wie Nicolas Poussin, Antoine Watteau, Jean-Honore Fragonard und Jacques-Louis David versprechen keine modische Überraschung, wohl aber eine Begegnung mit dem konzentriertesten Medium der Kunstgeschichte. Die Zeichnung zeigt den Gedanken vor seiner gesellschaftsfähigen Garderobe, den ersten Atemzug einer Bildidee.
Auch das Schloss Chantilly hält in diesem Sommer eine bemerkenswerte historische Konstellation bereit. Die Schau zu Caroline Murat, der Schwester Napoleons und Königin von Neapel, verfolgt bis zum 4. Oktober die Wege von Kunstwerken und Sammlungen zwischen Neapel und Chantilly. Solche Ausstellungen erzählen nicht nur von Geschmack, sondern auch von Macht, Mobilität und den langen Biographien der Dinge, die in Museumsvitrinen oft allzu still wirken.
Der besondere Gewinn dieser sommerlichen Landkarte liegt in ihrer Verschiedenheit. Neben Malerei und Zeichnung stehen Fotografie, Design, Naturkunde und politische Bildgeschichte; neben großen Namen treten lokale Archive und ungewöhnliche Leihgaben. Wer Frankreich in diesen Wochen bereist, kann deshalb die Pausen zwischen Strand, Markt und Abendessen als Einladung verstehen, eine Museumstür zu öffnen. Dahinter wartet mitunter nicht weniger als eine andere Sicht auf die Gegend.
Quellen
- Franceinfo
- Nantes Metropole
- Hauts-de-France Tourisme