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C. Hatty · 02.07.2026

Staat sichert Camus-Archiv: Manuskript von L’Étranger geht an die BnF

Paris – 02.07.2026: Der französische Staat hat den Fonds Albert Camus für neun Millionen Euro übernommen und in die Sammlungen der Bibliothèque nationale de France (BnF) eingegliedert. Die Übergabe wurde am 2. Juli in Paris vorgestellt; Anlass ist die formelle Aufnahme des Bestands in die nationale Bibliothek. Forschende erhalten damit unmittelbaren Zugang zu einer zentralen Quelle zur Auseinandersetzung mit dem Nobelpreisträger des Jahres 1957.

Der erworbene Bestand umfasst nach Angaben der beteiligten Stellen Briefe, Vorbereitungsdossiers, Fotografien und das einzige sicher identifizierte autographe Manuskript des Romans L’Étranger. Diese Autographen gelten als besonders bedeutsam für die Editionsphilologie; sie erlauben Einblicke in Camus’ Arbeitsweise und in Textvarianten, die im Druck nie erschienen sind. Die BnF kündigte an, die Materialien systematisch zu erschließen, konservatorisch zu sichern und schrittweise zu digitalisieren.

Bislang war der Fonds an der Bibliothèque Méjanes in Aix-en-Provence hinterlegt und wurde über Jahre von der Familie sowie lokalen Einrichtungen betreut. Die Kommission für nationale Kulturschätze hatte Teile des Bestands zuvor als von herausragendem nationalem Interesse eingestuft. Damit waren ein vorläufiger Exportstopp und die Option eines staatlichen Erwerbs verbunden. Die nun vollzogene Überführung in die BnF schließt eine längere Verhandlungsphase ab und soll eine dauerhaft gesicherte Aufbewahrung gewährleisten.

Kulturelle Institutionen und Fachleute begrüßen die Entscheidung, weil ein zentraler Bestandteil des literarischen Erbes Frankreichs dauerhaft öffentlich zugänglich bleibt. Vertreterinnen und Vertreter von Bibliotheken und Literaturwissenschaft betonen, dass die Sammlung nicht nur für Spezialistinnen und Spezialisten relevant ist, sondern auch Ausstellungen, Vermittlungsangebote und Bildungsprojekte bereichern kann. Die BnF plant eine kontrollierte Nutzungsordnung, um den Schutz der Originale mit wissenschaftlicher Nutzung in Einklang zu bringen.

Finanziell wird der Erwerb als bedeutende Investition in das nationale Kulturerbe gewertet; die Mittel stammen aus staatlichen Budgets für Kulturankäufe. In der Branche wird darauf hingewiesen, dass vergleichbare Konvolute international stark nachgefragt sind und hohe Preise erzielen. Mit dem Schritt stärkt Frankreich die Chance, besonders wertvolle Autographen im Land zu halten und sie unter öffentlichen Bedingungen zu erforschen. Begleitend sind konservatorische Maßnahmen vorgesehen, etwa klimatisierte Magazinierung, restauratorische Durchsicht und die Erstellung hochauflösender Digitalisate für die Nutzung im Lesesaal und, wo rechtlich möglich, online.

Die Aufnahme des Fonds Albert Camus in die Bestände der Bibliothèque nationale de France markiert damit einen wichtigen Moment für die Erforschung der Literatur des 20. Jahrhunderts. Forschende können auf einen reichhaltigen, kuratierten Bestand zugreifen, während die BnF die Originale sichert und zugleich deren wissenschaftliche Erschließung und öffentliche Vermittlung vorbereitet.

Quellen

  • Franceinfo
  • Actualitté
  • L'Est Républicain
  • Ministerium für Kultur (Frankreich)