Paris – 10.07.2026: Innenminister Laurent Nuñez hat die Präfekten am 9. Juli angewiesen, Arbeitgeber für die Freistellung von Feuerwehrfreiwilligen zu sensibilisieren, um angesichts zahlreicher Vegetationsbrände zusätzliche Kräfte schnell zu mobilisieren. Aus dem Umfeld des Ministeriums hieß es, die klimatischen Bedingungen seien außergewöhnlich, die Einsatzkoordination werde verstärkt. Gleichzeitig verwies das Ressort auf einen im Juni präsentierten Aktionsplan 2026–2028 zur Stärkung des Ehrenamts in der Feuerwehr.
Der Syndicat des sapeurs-pompiers volontaires (SSPVF) reagierte ungewöhnlich scharf. In einer Erklärung bezeichnete der Verband das wiederholte Bitten um Freistellungen als Symptom eines strukturellen Mangels und sprach von einer „faillite de l'État“, einem Versagen des Staates. Kurzfristige Appelle ersetzten keine belastbaren Rahmenbedingungen, so die Organisation. Kritisiert werden fehlende rechtliche Garantien für Beschäftigte, die als Freiwillige zu Einsätzen gerufen werden, sowie Lücken bei Finanzierung und Ausstattung der Service départemental d'incendie et de secours (SDIS).
Konkret fordert der SSPVF verbindliche Freistellungsregeln, klare arbeitsrechtliche Absicherungen – etwa beim Lohnersatz und beim Schutz vor beruflichen Nachteilen – sowie eine verlässliche Finanzierung der Einsatzkapazitäten. Hintergrund ist die starke Rolle des Ehrenamts: Rund zwei Drittel der Feuerwehrleute in Frankreich sind Freiwillige und stützen insbesondere in ländlichen Regionen die Gefahrenabwehr. Die Verantwortung für Budgets und Personal liegt weitgehend bei den Départements, was nationale Vorgaben erschwert und regionale Unterschiede verstärkt.
Das Innenministerium verweist auf laufende Gespräche mit Sozialpartnern und Gebietskörperschaften, auf Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung sowie auf Verbesserungen bei Ausbildung und Ausrüstung. Konkrete Gesetzesänderungen wurden bislang nicht angekündigt. Beobachter verweisen darauf, dass klare Regeln für die Freistellung in angespannten Lagen helfen könnten, Engpässe zu vermeiden, zugleich aber die Wirtschaft Planungssicherheit benötigt, wenn Beschäftigte kurzfristig ausfallen.
Die aktuelle Debatte ist vor dem Hintergrund anhaltender Hitze- und Trockenperioden besonders drängend. In mehreren Départements mussten Kräfte zuletzt binnen Stunden in betroffene Zonen verlegt werden; lokale Dienste meldeten teils hohe Belastungen durch parallele Einsätze. Für die Freiwilligen geht es neben schneller Entlastung vor allem um Verlässlichkeit: Wer tagsüber aus dem Betrieb abgerufen wird, braucht Schutz vor Nachteilen, wer regelmäßig einspringt, eine solide Ausstattung vor Ort. Ob aus dem Appell des Ministers verbindliche Vorgaben entstehen, dürfte sich in den nächsten Wochen zeigen – maßgeblich ist, ob sich Staat, Départements und Arbeitgeber auf gemeinsame Standards für die Freistellung einigen.
Quellen
- franceinfo
- Ministère de l'Intérieur
- TF1/LCI
- Syndicat des sapeurs-pompiers volontaires (SSPVF)