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Nachrichten.fr · September 5, 2025

Surfen für alle – Wie eine Welle der Inklusion den französischen Surf erobert

Surfen galt lange als Domäne der Draufgänger – junge, durchtrainierte Körper, die sich furchtlos in die Wellen stürzen. Doch das Bild wandelt sich. Heute ist Surfen nicht mehr nur Abenteuerlustigen unter dreißig vorbehalten. Vom Vorschulkind bis zum aktiven Senior, vom Stadtmensch bis zur Küstenliebhaberin – Frankreich erlebt eine wahre Wellenrevolution. Und die ist vor allem eins: inklusiv, altersübergreifend und lebensbejahend.

Eine neue Generation von Surfern – und zwar alle auf einmal

Wer im Sommer über die Strände von Biarritz oder Hossegor schlendert, sieht ein ganz neues Bild: Großeltern und Enkel, die sich gemeinsam auf dem Brett versuchen. Was früher wie eine Szene aus einem Werbespot gewirkt hätte, ist heute gelebter Alltag. In Biarritz, dem Epizentrum der französischen Surfkultur, wurden spezielle Programme für Menschen im Ruhestand ins Leben gerufen. Einmal pro Woche treffen sich dort mittlerweile über dreißig Seniorinnen und Senioren – einige von ihnen über 75 Jahre alt.

Klingt sportlich? Ist es auch. Aber vor allem ist es heilsam. Denn der Ozean, das Gleichgewicht, die Bewegung – sie alle wirken wie ein Frischzellenkur. Bernard, 68, bringt es auf den Punkt: „Wenn ich auf dem Brett stehe, vergesse ich meine Arthrose. Ich fühle mich lebendig, präsent – wie zwanzig Jahre jünger!“ Ein Satz, der sich wie ein Mantra durch die Bewegung zieht.

Angepasste Angebote für jedes Alter

Wo Nachfrage ist, da wächst auch das Angebot. In Hossegor bietet die Yosurf School Surfkurse an, die speziell auf ältere Teilnehmer ausgerichtet sind – mit angepasstem Material, individuellen Betreuungskonzepten und einem Fokus auf Sicherheit und Genuss. In Bidart geht man sogar noch einen Schritt weiter: Die „Jeunes Seniors“-Formel von BO&Co richtet sich gezielt an die Generation 50+, mit einer sanften Kombination aus Bodyboard und Surf.

Auch für die Jüngsten ist gesorgt. An Schulen wie der Seignosse Surf School dürfen schon Sechsjährige aufs Brett – in kleinen Gruppen, spielerisch und sicher begleitet von erfahrenen Lehrerinnen und Lehrern. So lernen sie früh, was es heißt, sich mit Wind und Wellen zu verbünden. Und ganz nebenbei, was Selbstvertrauen und Körpergefühl bedeuten.

Surfen ohne Meer? Surfparks machen’s möglich

Nicht jeder wohnt am Atlantik – und nicht jeder hat Lust, sich mit der Launenhaftigkeit des Ozeans auseinanderzusetzen. Hier kommen die neuen Surfparks ins Spiel. Der Park in Canéjan zum Beispiel schafft kontrollierte Bedingungen, in denen Wellen auf Knopfdruck entstehen. Für Anfänger ein Traum: Keine Strömung, keine unberechenbaren Brecher, keine Quallen.

Solche Anlagen machen das Surfen planbar und ganzjährig verfügbar. Sie eignen sich nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Schulen, Ferienprogramme und Freizeitbetreuung. Surfunterricht wird so Teil des Alltags – nicht nur ein Sommerabenteuer, sondern eine echte sportliche Alternative.

Inklusive Wellen für alle

Die wohl beeindruckendste Entwicklung: der Aufstieg des Para Surf. Für Menschen mit körperlichen oder kognitiven Einschränkungen war das Meer lange ein unzugänglicher Ort. Doch das hat sich geändert. Die Fédération Française de Surf engagiert sich aktiv für Barrierefreiheit im Wassersport. Clubs mit dem Label „Handi Surf“ öffnen ihre Türen für Menschen mit unterschiedlichsten Voraussetzungen – mit speziellem Equipment, geschultem Personal und einer klaren Botschaft: Jeder Mensch hat das Recht auf Wellen.

Das hat nicht nur sportliche, sondern auch gesellschaftliche Relevanz. Inklusion wird hier nicht gepredigt, sondern gelebt – im Salzwasser, unter der Sonne, auf dem Brett.

Mehr als ein Sport – eine Haltung

Die neue Surfkultur in Frankreich ist mehr als ein Fitness-Trend. Sie steht für einen Perspektivwechsel. Für die Idee, dass körperliche Betätigung kein Alter kennt. Dass Freiheit und Gemeinschaft keine Frage der Herkunft oder Gesundheit sind. Und dass der Ozean ein Ort ist, der uns alle etwas lehren kann – über uns selbst, über Mut, über Balance.

Bleibt nur noch eine Frage: Wann steigen Sie aufs Brett?

Von C. Hatty