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NEWSDESK · 30.06.2026

Texas nimmt Bibelpassagen in verpflichtende Schullektüre auf

Austin – 30.06.2026: Das von Republikanern dominierte Texas State Board of Education hat am 26.06.2026 eine überarbeitete, landesweit verbindliche Pflichtlektüreliste verabschiedet. Erstmals enthält sie Auszüge aus der Bibel als verpflichtende Lektüre an öffentlichen Schulen. Betroffen sind nach Behördenangaben mehr als fünf Millionen Schülerinnen und Schüler. Die Entscheidung folgt monatelangen Anhörungen und intensiven Debatten über die Rolle religiöser Texte im Unterricht.

Die Neuerungen sind Teil der Aktualisierung der Texas Essential Knowledge and Skills (TEKS), des zentralen Curriculumsrahmens des Bundesstaates. Für mehrere Jahrgänge werden biblische Texte ausdrücklich benannt – von erzählenden Passagen in der Grundschule bis zu anspruchsvolleren Auszügen wie dem Buch Hiob und ausgewählten neutestamentlichen Texten in höheren Klassen. Das Board betont, es gehe um die Einordnung literarischer und historischer Bezüge, nicht um Glaubensunterricht.

Befürworter verweisen darauf, dass biblische Stoffe in der amerikanischen Literatur, Politik und Rechtsgeschichte vielfach referenziert werden und deshalb zum Allgemeinwissen gehörten. Konservative Bildungspolitiker sehen darin eine kulturelle Grundbildung, die Schülerinnen und Schülern helfe, Anspielungen in Klassikern oder Reden zu verstehen. Zudem verweise die Liste weiterhin auf säkulare Werke und schaffe damit, so die Argumentation, einen breiteren Kanon statt einer einseitigen Ausrichtung.

Kritiker warnen dagegen vor einer Aufweichung der verfassungsrechtlich gebotenen Trennung von Kirche und Staat. Bürgerrechtsorganisationen und säkulare Verbände, darunter die Texas Freedom Network, prüfen rechtliche Schritte. Sie sehen die Gefahr, dass Schülerinnen und Schüler in öffentlichen Schulen religiösen Inhalten ohne ausreichende Wahlfreiheit ausgesetzt werden. Juristinnen und Juristen verweisen auf bisherige Urteile, nach denen religiöse Texte zwar in literarischem Kontext behandelbar sind, staatlich geförderte religiöse Unterweisung jedoch unzulässig bleibt.

Offen bleibt die Umsetzung an den Schulen. Der Beschluss sieht eine stufenweise Einführung bis zum Schuljahr 2030/31 vor. Schulbezirke und die Texas Education Agency müssen Lehrpläne, Fortbildungen und Prüfungsformate anpassen. Praktische Fragen reichen von der Textauswahl und Übersetzungsfragen bis zur Ausbildung von Lehrkräften, die biblische Inhalte didaktisch und verfassungsfest vermitteln sollen.

Die Auseinandersetzung in Texas steht im Kontext landesweiter Debatten über Curricula, Elternrechte und die Zuständigkeiten der Bundesstaaten. Mehrere vorangegangene Maßnahmen – etwa die Möglichkeit, Schul-Chaplains einzusetzen, und ein optionales bibelorientiertes Curriculum – haben bereits die Grenzen zwischen kultureller Bildung und religiöser Praxis vermessen. Beobachter rechnen damit, dass mögliche Klagen die Einführung verzögern oder Präzisierungen erzwingen könnten.

Quellen

  • Associated Press
  • Reuters
  • The Washington Post
  • The Guardian
  • KERA News