Fleurance – 08.06.2026: Am 29. Mai 2026 verschwand die 11-jährige Lyhanna nach dem Verlassen des Collège Hubert-Reeves in Fleurance spurlos. Eine Woche später, am 4. Juni, wurde in der Nähe von Puycasquier, etwa 15 Kilometer südlich von Fleurance, ein Kinderleiche in einem landwirtschaftlichen Silo entdeckt. Die Ermittler gehen nach aktuellem Stand davon aus, dass es sich um Lyhanna handelt, auch wenn die Identifikation noch nicht offiziell bestätigt wurde.
Jérôme Barella, 41 Jahre alt und Hauptverdächtiger in diesem Fall, wurde kurz nach dem Verschwinden des Mädchens festgenommen. Am 3. Juni 2026 wurde er wegen Entführung und Freiheitsberaubung einer minderjährigen Person unter 15 Jahren in Untersuchungshaft genommen. Bereits im August 2025 hatte es eine Anzeige gegen ihn wegen wiederholter sexueller Übergriffe auf eine damals 12-jährige Minderjährige gegeben. Diese Anzeige wurde jedoch mangels weiterer Ermittlungen zunächst eingestellt.
Die 12-jährige Rosa berichtete, dass sie zwischen September 2024 und Mai 2025 im Haus des Verdächtigen Opfer von Übergriffen geworden sei. Trotz der Schwere dieser Vorwürfe wurde die Anzeige nicht weiter verfolgt – ein Umstand, der nun den Unmut der Öffentlichkeit weckt.
In den vergangenen Tagen erhielten die Behörden weitere Anzeigen gegen Barella. Am 5. Juni 2026 erstattete eine Mutter aus Saint-Brieuc Anzeige, nachdem ihre etwa zehnjährige Tochter den Mann auf einem Foto wiedererkannt hatte. Zu Beginn des Jahres hatte die Familie bereits eine Anzeige wegen sexueller Übergriffe gegen unbekannt eingereicht, da der Täter damals nicht identifiziert werden konnte.
Diese neuen Anzeigen werfen schwere Fragen zur Effektivität der Ermittlungen und zum Umgang der Justiz mit Fällen von Kindesmissbrauch auf. Viele Bürgerinnen und Bürger kritisieren das Behördenversagen und fordern eine umfassende Aufarbeitung aller Vorgänge im Fall Lyhanna.
Die Trauer über den Tod des Mädchens führte in Fleurance am 7. Juni 2026 zu einem bemerkenswerten öffentlichen Trauermarsch. Rund 6.000 Menschen versammelten sich in weißer Kleidung, trugen Blumen und gedachten Lyhanna mit Kerzen sowie Schweigeminuten. Diese Solidaritätsbekundung hat landesweit Resonanz gefunden und den Ruf nach mehr Schutz für Kinder und einer entschlosseneren Justiz verstärkt.
Die Ermittlungen zu den genauen Umständen von Lyhannas Tod dauern an. Die Justiz steht unter erheblichem Druck, die Verantwortlichen schnell zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen. Zudem wird in den kommenden Wochen erwartet, dass politische Stellen neue Maßnahmen vorstellen werden, um das Vorgehen bei sexualisierten Gewalttaten an Minderjährigen zu verbessern und ähnliche Tragödien künftig zu verhindern.
Quellen
- Euronews
- Public.fr
- La Dépêche du Midi
- Closer
- TF1 Info