Southampton – 03.06.2026: Der Mord an dem 18-jährigen Studenten Henry Nowak hat in Großbritannien landesweit Proteste ausgelöst. Am 2. Juni versammelten sich Hunderte Demonstranten vor dem Polizeirevier von Southampton, um gegen die Umstände seines Todes zu demonstrieren. Die Proteste eskalierten, als einige aus der Menge Steine, Ziegel und Stühle auf die Polizei warfen, was zu Zusammenstößen mit den Einsatzkräften führte. Dabei skandierten die Demonstranten wiederholt "Henry, Henry" und forderten Gerechtigkeit für den Verstorbenen.
Nowak war am 3. Dezember 2025 in Southampton von Vickrum Digwa, einem 23-jährigen Angehörigen der Sikh-Gemeinschaft, mit einem 21 Zentimeter langen Zeremonialmesser, dem sogenannten Kirpan, erstochen worden. Digwa behauptete, Nowak habe ihn rassistisch beleidigt und gab an, in Notwehr gehandelt zu haben.
Die Polizei von Hampshire steht in der Kritik, nachdem Bodycam-Aufnahmen publik wurden, die zeigen, dass Nowak trotz offensichtlicher Verletzungen festgenommen wurde. Auf den Videos ist zu hören, wie Nowak mehrfach mitteilt: "Ich wurde erstochen" und "Ich kann nicht atmen", während er von den Beamten festgehalten und gefesselt wird.
Die britische Innenministerin Shabana Mahmood verurteilte die Ausschreitungen der Demonstranten als "völlig inakzeptabel". Sie betonte, dass Gewalt keine Antwort sei und warnte vor einer gefährlichen gesellschaftlichen Spaltung. Mahmood appellierte an die Gemeinschaften, zusammenzustehen und den Dialog zu suchen.
Politiker wie Nigel Farage, Vorsitzender der Reform UK-Partei, reagierten mit harscher Kritik an der Polizei. Farage forderte eine "reine kalte Wut" und warf den Behörden vor, die Anschuldigungen wegen einer vermeintlichen rassistischen Beleidigung ernster zu nehmen als den Mord selbst. Die Äußerungen Farages sorgten für weitere Spannungen zwischen den politischen Lagern und der Öffentlichkeit.
Die Familie von Vickrum Digwa entschuldigte sich öffentlich bei Henry Nowaks Angehörigen und der Sikh-Gemeinschaft für die Folgen der Tat. Sie betonten, dass die Liebe zu ihrem Sohn nicht das Mitgefühl für den Verlust Nowaks mindere.
Die Polizei von Hampshire entschuldigte sich offiziell für ihr Vorgehen während der Festnahme. Das unabhängige Büro für Polizeiverhalten (IOPC) hat eine Untersuchung der Beamten eingeleitet, um das Vorgehen bei dem Einsatz und die Todesumstände Nowaks zu klären. Die Öffentlichkeit fordert eine umfassende Überprüfung der Polizeipraxis und eine bessere Schulung im Umgang mit Opfern von Gewaltverbrechen, um ähnliche Tragödien künftig zu verhindern.
Die Proteste in Southampton und anderen Städten Großbritanniens haben die Debatte über Rassismus, Polizeigewalt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt erneut entfacht. Experten sehen die anhaltende gesellschaftliche Polarisierung als große Herausforderung für die Regierung, die auf eine Versachlichung der Diskussionen und verstärkte Integrationsbemühungen setzt.
Quellen
- Euronews
- The Guardian
- ITV News
- The Independent