Fleurance – 07.06.2026: Am Sonntag, den 7. Juni 2026, kamen in Fleurance, einer Stadt im Département Gers, etwa 6.000 Menschen zu einer Gedenkveranstaltung für die 11-jährige Schülerin Lyhanna zusammen. Die Veranstaltung begann um 15 Uhr am Square de Verdun, nahe dem Collège Hubert-Reeves, dem letzten bekannten Aufenthaltsort des Mädchens.
Lyhanna war am 29. Mai 2026 verschwunden und wurde am 4. Juni 2026 tot in einem verlassenen landwirtschaftlichen Silo in Puycasquier, etwa 15 Kilometer südlich von Fleurance, aufgefunden. Die Autopsie bestätigte die Identität des Kindes, während die genauen Todesumstände weiterhin untersucht werden.
Die Eltern von Lyhanna hatten die Organisation der Gedenkveranstaltung initiiert und nahmen persönlich daran teil. Sie dankten dem Bürgermeister von Fleurance für seine Unterstützung und luden auch die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden ein, sich der Veranstaltung anzuschließen. Allerdings betonten sie in einem offiziellen Kommuniqué, dass keine politische Präsenz gewünscht sei.
Während der Gedenkfeier trugen die Teilnehmer weiße Kleidung und hielten Blumen in den Händen. Viele hatten T-Shirts mit der Aufschrift „Plus jamais ça“ („Nie wieder so etwas“) an und hielten Banner mit ähnlichen Botschaften. Die Stimmung war geprägt von tiefer Trauer und Solidarität.
Die Familie von Lyhanna äußerte sich mit bewegenden Worten während der Zeremonie. Eine Tante las einen Brief der Mutter vor, in dem es hieß: "Unsere kleine Welt ist völlig zusammengebrochen." Abschließend richtete sie sich an Lyhanna: „Entschuldigung, Lyhanna. Entschuldigung für das, was du erlebt hast. Wir lieben dich so sehr."
Bürgermeister Grégory Bobbato kritisierte während seiner Ansprache scharf das Justizsystem. Er sagte: „Man will uns glauben machen, dass diese Tragödie, die die Familie von Lyhanna trifft, nur ein Fehlverhalten in einem ansonsten funktionierenden System ist.“ Er fügte hinzu: „Seit zu langer Zeit tolerieren wir ein System, das erstickt, anstatt zuzuhören, das abschreckt, anstatt zu ermutigen."
Im Fall Lyhanna ist der Hauptverdächtige Jérôme Barella, ein 41-jähriger Familienvater, der bereits mehrfach wegen sexueller Übergriffe auf Minderjährige angezeigt wurde. Trotz dieser Vorwürfe wurde er nie von den Strafverfolgungsbehörden vernommen. Die Gedenkveranstaltung endete mit einer Schweigeminute zu Ehren von Lyhanna.
Die Tragödie hat nicht nur die lokale Gemeinschaft tief erschüttert, sondern auch landesweit Empörung ausgelöst. Präsident Emmanuel Macron bezeichnete den Vorfall als „inakzeptabel“ und betonte, dass klar Fehlverhalten vorliege. Justizminister Gérald Darmanin entschuldigte sich im Namen der Justiz bei der Familie von Lyhanna.
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf Defizite im Umgang mit Hinweisen auf sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und verstärkt die Forderung nach Reformen innerhalb des Justiz- und Polizeisystems. Die breite Solidarität bei der Gedenkveranstaltung signalisiert den Wunsch der Öffentlichkeit nach besserem Schutz von Kindern und konsequenter Strafverfolgung von Tätern.
Quellen
- Euronews
- France Premium
- TF1 Info