Villeneuve-sur-Vere – 17.07.2026: Am Rand einer abgesperrten Straße im Tarn haben Gendarmen bei neuen Sucharbeiten Knochenreste entdeckt. Der Fundort liegt nahe Cagnac-les-Mines, jenem Ort, an dem Delphine Aussaguel in der Nacht zum 16. Dezember 2020 verschwand. Nach Angaben der Justiz muss zunächst geklärt werden, ob es sich tatsächlich um menschliche Überreste handelt.
Die Suche war am Donnerstag, 16. Juli, wieder aufgenommen worden. Sie folgt auf neue Angaben von Cédric Jubillar, dem Ehemann der Vermissten. Der Generalstaatsanwalt am Berufungsgericht Toulouse, Nicolas Jacquet, erklärte, die gefundenen Reste lägen an einem Ort, den Jubillar als Ablageort des Leichnams bezeichnet habe. Die Gendarmerie sicherte das Gelände weiträumig.
Für die Angehörigen von Delphine Aussaguel bedeutet der Fund vor allem eine neue, schwere Ungewissheit. Seit mehr als fünfeinhalb Jahren fehlt jede gesicherte Spur von der damals 33-jährigen Krankenpflegerin und Mutter von zwei Kindern. Die Ermittlungen hatten immer wieder zu groß angelegten Durchsuchungen von Feldern, Wäldern und Gebäuden in der Umgebung geführt, jedoch ohne den entscheidenden Fund.
Die nun entdeckten Knochen sollen forensisch untersucht werden. Erst DNA-Analysen und rechtsmedizinische Gutachten können beantworten, ob die Überreste Delphine Aussaguel zuzuordnen sind. Ebenso offen ist, ob sich aus ihnen Erkenntnisse zur Todesursache oder zum genauen Ablauf der Tat gewinnen lassen. Bis zu diesen Ergebnissen bleibt die Identität der gefundenen Reste ungeklärt.
Cédric Jubillar war im Oktober 2025 wegen Mordes an seiner Frau zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Gegen das Urteil läuft ein Berufungsverfahren. Anfang Juli 2026 hatte er nach Darstellung seiner Verteidiger erstmals erklärt, für den Tod seiner Frau verantwortlich zu sein, und der Justiz eine Zusammenarbeit bei der Suche zugesagt. Die aktuellen Maßnahmen stehen im Zusammenhang mit diesen Angaben.
Dass die Justiz für die erneute Befragung und die Suchaktion aktiv wurde, ist auch prozessrechtlich bedeutsam: Die Vorsitzende des Schwurgerichts Haute-Garonne hatte am 15. Juli eine Vorführung und Anhörung Jubillars am Berufungsgericht Toulouse veranlasst. Grundlage war eine Vorschrift, die zusätzliche Ermittlungen ermöglicht, wenn sie für ein anhängiges Verfahren erforderlich erscheinen.
Der Fund beendet den Fall nicht, er verändert aber seine Lage. Nach Jahren ohne Leichnam und ohne abschließende Antwort auf die Frage nach dem Verbleib von Delphine Aussaguel richten sich die Erwartungen nun auf das Labor. Für die Familie und die Ermittler zählt zunächst nur eine nüchterne Gewissheit: Wer wurde dort gefunden – und was lässt sich daraus verlässlich ableiten?
Quellen
- Franceinfo
- AFP via Boursorama
- TF1 Info
- Euronews