Washington – 15.07.2026: US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat ein jährliches Vorsorgeprogramm zur Erkennung eines Testosteronmangels bei Angehörigen der amerikanischen Streitkräfte angekündigt. Soldatinnen und Soldaten ab 30 Jahren sollen im Rahmen ihrer regulären medizinischen Untersuchung getestet werden. Jüngere Militärangehörige können sich freiwillig untersuchen lassen. Eine mögliche Testosteronersatztherapie soll nach Hegseths Angaben ebenfalls freiwillig bleiben.
Die Maßnahme begründet der Minister mit Einsatzbereitschaft, Widerstandsfähigkeit und langfristiger Gesundheit. Mit zunehmendem Alter sinke der Testosteronspiegel bei Männern häufig. Das Pentagon ließ jedoch zentrale Fragen offen: Es erklärte nicht, nach welchen medizinischen Kriterien ein Mangel festgestellt wird, welche wissenschaftliche Grundlage das Programm hat und ob es auch Untersuchungen oder Behandlungen für weibliche Militärangehörige geben wird.
Hegseths Ankündigung fügt sich in eine Reihe von Änderungen ein, mit denen seine Behörde körperliche Anforderungen im Militär verschärft hat. Für bestimmte Kampfverwendungen gelten bereits geschlechtsneutrale, an männlichen Maßstäben ausgerichtete Fitnessvorgaben. Die US-Armee führte zudem im April 2026 einen zusätzlichen Combat Field Test für 24 besonders kampfnahe Tätigkeiten ein. Dieser Test ergänzt den allgemeinen jährlichen Fitnessnachweis, ersetzt ihn aber nicht.
Medizinische Leitlinien empfehlen keine pauschale Testosteronmessung allein zur Leistungssteigerung. Eine Behandlung kommt üblicherweise in Betracht, wenn Beschwerden vorliegen und wiederholt zu niedrige Werte nachgewiesen sind. Die Messung ist zudem zeitabhängig: Verlässliche Blutwerte werden in der Regel morgens und nüchtern erhoben. Die angekündigte Initiative soll nach Darstellung des Ministers keine künstliche Leistungssteigerung bewirken, sondern medizinisch erkennbare Defizite früh erfassen.
Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der die US-Regierung über einen leichteren Zugang zu Testosteronpräparaten diskutiert. Die Arzneimittelbehörde FDA hatte im Juni vorgeschlagen, bestehende Verschreibungsbeschränkungen für bestimmte Präparate zu lockern. Zugelassen sind solche Mittel bislang vor allem für Männer mit klar diagnostiziertem Hypogonadismus. Die Präparate werden teils auch mit Muskelaufbau und Verjüngung beworben; für solche Anwendungen gibt es keine breite medizinische Zustimmung.
Die demokratische Abgeordnete und frühere Luftwaffenangehörige Chrissy Houlahan kritisierte die Ankündigung als politisch motiviert und forderte gleiche medizinische Angebote für Frauen. Hegseth hatte sich zuvor gegen Frauen in Kampfverwendungen ausgesprochen und seine Personalpolitik wiederholt mit einem stärker auf Kampffähigkeit ausgerichteten Selbstverständnis begründet. Offen bleibt, wann die Tests beginnen, wie viele Personen sie erfassen und welche Datenschutzregeln für die Gesundheitsdaten gelten. Das Pentagon veröffentlichte dazu zunächst keinen detaillierten Umsetzungsplan.
Quellen
- Associated Press
- United States Army
- US-Verteidigungsministerium