Fleurance – 08.06.2026: Die kleine Gemeinde Fleurance im Süden Frankreichs ist weiterhin in Aufruhr nach dem mysteriösen Verschwinden der 11-jährigen Lyhanna am 29. Mai 2026. Im Zentrum der Ermittlungen steht Jérôme B., ein 41-jähriger Mann aus der Region, der inzwischen in Untersuchungshaft sitzt. Die jüngsten Enthüllungen über seine Vorgeschichte sorgen für Empörung und werfen deutliche Zweifel an der Arbeit der Gendarmerie auf.
Bereits im August 2025 hatte die Mutter eines zehnjährigen Mädchens aus der Nachbarschaft eine Anzeige wegen mehrfacher Vergewaltigung gegen Jérôme B. eingereicht. Die Misshandlungen sollen sich über mehrere Monate zwischen 2024 und 2025 im Gers ereignet haben. Trotz dieser schweren Vorwürfe wurde der Beschuldigte nie befragt, und die Ermittlungen kamen seither nicht voran.
Die Staatsanwaltschaft von Toulouse übernahm den Fall erst im November 2025, nachdem die Anzeige zunächst bei der Gendarmerie von Plaisance-du-Touch eingegangen war. Im Dezember desselben Jahres wurde der Fall an die Justizbehörden von Auch weitergeleitet und schließlich im Januar 2026 an die Gendarmerie von Lectoure zurückgegeben – ohne dass Jérôme B. jemals offiziell vorgeladen wurde.
Diese Panne hat bei den Angehörigen der Opfer tiefe Enttäuschung ausgelöst. Die Mutter des betroffenen Mädchens beklagte das mangelnde Engagement der Behörden. Ihre Tochter hatte bereits auffällige Fragen zum Thema Sexualität gestellt, was die Sorge innerhalb der Familie verstärkte, aber nicht zu einem zügigen Ermittlungsprozess führte.
Angesichts dieser gravierenden Mängel ordneten Innenminister Laurent Nuñez und Justizminister Gérald Darmanin eine umfassende administrative Untersuchung an. Ziel ist es, mögliche Fehler und Versäumnisse im Umgang mit der ursprünglichen Vergewaltigungsanzeige aufzuklären. Die Ermittlung wird von der Generalinspektion der Justiz gemeinsam mit der Generalinspektion der Gendarmerie durchgeführt.
Parallel laufen die Ermittlungen zur aktuellen Vermisstenanzeige von Lyhanna auf Hochtouren. Jérôme B. wurde am 2. Juni wegen Entführung und Freiheitsberaubung einer Minderjährigen inhaftiert. Während seiner Verhaftung gab er widersprüchliche und unklare Aussagen, die die Ermittler zusätzlich alarmieren.
Die Bewohner von Fleurance sind tief erschüttert von den Vorgängen und fordern eine lückenlose Aufklärung. „Es ist erschreckend, wie solche Versäumnisse passieren konnten“, sagte ein Anwohner. Die Familie von Lyhanna hofft weiterhin auf ein baldiges Ende des qualvollen Wartens und eine Aufklärung des Falls.
Die Behörden stehen unter starkem Druck, den Fall schnell und transparent zu klären. Die weiteren Ermittlungen sollen klären, wie es zu den Verzögerungen kommen konnte und ob organisatorische Mängel in der Gendarmerie eine Rolle spielten. Der Fall verdeutlicht die Herausforderungen bei der Bearbeitung sensibler Verfahren zum Schutz von Minderjährigen.
Quellen
- Le Parisien
- Actu17
- Brut
- Faitsdivers.org
- Boursorama