Paris – 12.07.2026: Das französische Ministerium für Streitkräfte und Veteranen beendet am Sonntag seine erste landesweite Digitalkampagne, die ausschließlich für zivile Beschäftigte wirbt. Unter dem Leitgedanken eines Engagements ohne Uniform soll sie einer Personalgruppe größere Sichtbarkeit verschaffen, die für den Betrieb der Armee und des Ministeriums zentral ist, in der öffentlichen Wahrnehmung aber weit weniger präsent ist als die militärischen Laufbahnen.
Nach Angaben des Ministeriums arbeiten knapp 64.000 Zivilbeschäftigte neben mehr als 200.000 Soldatinnen und Soldaten. Sie stellen damit rund ein Viertel des gesamten Personalbestands. Die Zahl von mehr als 3.500 offenen Stellen bezeichnet nicht ein einmaliges Sonderprogramm, sondern den jährlichen Rekrutierungsbedarf. Das Ressort sucht Personal für ungefähr 1.500 unterschiedliche Berufe in Frankreich und den Überseegebieten.
Der Bedarf konzentriert sich keineswegs nur auf klassische Verwaltungsfunktionen. Gesucht werden Fachkräfte für Informatik, Cybersicherheit, Ingenieurwesen, Infrastruktur, Logistik, Gesundheitswesen, Beschaffung, Personalmanagement und Finanzen. Damit folgt das Ministerium einem breiteren Trend der europäischen Verteidigungsverwaltungen: Mit der Modernisierung der Streitkräfte wächst die Abhängigkeit von dauerhaft verfügbaren zivilen Spezialkenntnissen, etwa in Datenverarbeitung, Rüstungsverwaltung und digitaler Sicherheit.
Die Kampagne richtete sich an Personen zwischen 18 und 55 Jahren und wurde über soziale Netzwerke sowie Videoportale verbreitet. Sie stellt Beschäftigte und ihre Laufbahnen in den Mittelpunkt. Ergänzt wird die Werbung durch Kooperationen mit zwei Online-Inhalteproduzenten. Das Ministerium versucht damit, die Reichweite seiner bisherigen Rekrutierungskanäle zu erhöhen und Bewerbergruppen anzusprechen, die eine Tätigkeit im Verteidigungsbereich bislang vor allem mit dem Soldatenberuf verbinden.
Die zivilen Stellen werden in unterschiedlichen Beschäftigungsformen angeboten: als Beamtenstellen, Vertragsverhältnisse, Arbeitsplätze für Staatsarbeiter sowie Ausbildungs- und Praktikumsplätze. Gerade bei technischen Profilen steht der Staat in unmittelbarem Wettbewerb mit privaten Industrie-, Technologie- und Beratungsunternehmen. Dieser Wettbewerb betrifft auch Unternehmen der Verteidigungsindustrie, die ihrerseits Personal für Produktion, Wartung, Software und Cybersicherheit benötigen.
Die Rekrutierung ist in die Personalplanung der laufenden französischen Militärprogrammierung eingebettet. Der Haushaltsentwurf für 2026 sieht im Ministerium insgesamt rund 40.000 Neueinstellungen vor, darunter 4.400 zivile Beschäftigte; diese Planungszahl ist weiter gefasst als die regelmäßig kommunizierte Zahl von mehr als 3.500 jährlich zu besetzenden zivilen Stellen. Die Stellenkampagne verdeutlicht damit, dass die personelle Aufrüstung Frankreichs nicht allein über militärische Rekrutierung erfolgt.
Für die politische Führung hat die Sichtbarkeit der Zivilbeschäftigten zudem eine institutionelle Bedeutung. Ihre Expertise sichert Kontinuität in Bereichen, in denen Soldaten aufgrund von Versetzungen und operativen Verpflichtungen nur begrenzt langfristig eingesetzt werden können. Das Ministerium verbindet die Personalsuche deshalb mit dem Argument einer Tätigkeit im öffentlichen Dienst – und mit dem Anspruch, sicherheitspolitische Aufgaben durch zivile Kompetenz zu unterstützen.
Quellen
- Ministerium für Streitkräfte und Veteranen – Kampagne für Civils de la Defense
- Ministerium für Streitkräfte und Veteranen – Haushaltsentwurf 2026
- Civils de la Defense – Rekrutierungsplattform