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Daniel Ivers · 01.07.2026

Vier weitere Verdächtige im Mordfall Mehdi Kessaci festgenommen

Marseille – 01.07.2026: Im Ermittlungsverfahren zum Mord an Mehdi Kessaci hat die Polizei am Dienstag vier weitere Verdächtige festgenommen. Nach Angaben aus Justizkreisen erfolgten die Maßnahmen im Rahmen bereits laufender Ermittlungen; drei der Festgenommenen befanden sich zuvor in anderer Sache in Haft. Die vorläufigen Festnahmen sollen der Präzisierung von Rollen, Verbindungen und möglichen logistischen Beiträgen zum Attentat dienen. Über die Dauer der Polizeigewahrsame und mögliche Anklagepunkte wurde zunächst nichts offiziell mitgeteilt.

Der Fall wird von der auf organisierte Kriminalität spezialisierten Staatsanwaltschaft koordiniert. Zuständig ist die JIRS in Marseille in Zusammenarbeit mit nationalen Einheiten zur Bekämpfung von Bandenkriminalität. Bereits in den vergangenen Monaten waren mehrere Personen vernommen und teils in Gewahrsam genommen worden. Die nun erfolgten Zugriffe gelten als Ergänzung zuvor ausgewerteter Telefon- und Bewegungsdaten sowie ballistischer Spuren, die im Zuge der Ermittlungen zusammengeführt wurden.

Mehdi Kessaci war im November 2023 in Marseille erschossen worden. Er ist der Bruder des Anti-Drogen-Aktivisten Amine Kessaci, der sich in der Stadt seit Jahren gegen die Gewalt im Umfeld des Drogenhandels engagiert. Der tödliche Angriff hatte in Marseille und darüber hinaus breite Aufmerksamkeit ausgelöst und die Diskussion über die Zunahme schwerer Waffengewalt in Bandenmilieus erneut angeheizt. Ermittler prüfen seitdem, ob der Anschlag präzise geplant war oder ob es zu einer Verwechslung kam. Medienberichte hatten früh von einer möglichen Auftragslogik gesprochen; die Behörden äußern sich dazu nur zurückhaltend.

Die Festnahmen vom Dienstag deuten darauf hin, dass die Ermittlungen auf mehrere mutmaßliche Beteiligte aus unterschiedlichen Kreisen zielen. Im Fokus stehen potenzielle Tatbeteiligte, Helfer bei Fahrzeugen und Unterkünften sowie Personen, die bei der Beschaffung von Waffen oder Kommunikationsmitteln eine Rolle gespielt haben könnten. Für alle Verdächtigen gilt bis zu einer möglichen Anklage und gerichtlichen Entscheidung die Unschuldsvermutung.

Marseille ringt seit Jahren mit der Dynamik rivalisierender Drogenhändler, deren Konflikte sich immer wieder in Schusswechseln und gezielten Tötungen entladen. Die Behörden setzen in besonders belasteten Vierteln verstärkt auf kombinierte Ermittlungs- und Präventionsansätze. Der Mord an Mehdi Kessaci hatte auch deshalb politisches Gewicht, weil er die Verwundbarkeit junger Männer im Umfeld krimineller Auseinandersetzungen sichtbar machte und den Ruf nach nachhaltiger Entwaffnung der Milieus verstärkte. Mit den aktuellen Festnahmen verlagert sich der Schwerpunkt erneut auf die gerichtsfesten Belege, die über eine Anklage und die spätere juristische Aufarbeitung entscheiden werden.

Quellen

  • franceinfo
  • TF1/LCI
  • Le Monde
  • RTL
  • Le Dauphine