Die französische Großstadt Nantes kommt nicht zur Ruhe. Am Donnerstagmittag ist im Stadtteil La Bottière ein 18-jähriger Mann durch mehrere Schüsse getötet worden. Die Tat markiert bereits das vierte Tötungsdelikt mit einer Schusswaffe seit Ende April und verschärft die Sorge vor einer zunehmenden Gewaltspirale in der westfranzösischen Metropole.
Gegen 12.20 Uhr gingen bei der Polizei Meldungen über Schüsse in der Rue de la Basinerie ein. Als die Einsatzkräfte am Tatort eintrafen, fanden sie den jungen Mann leblos am Fuß mehrerer Wohngebäude. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Die Täter hatten den Ort bereits verlassen und konnten zunächst unerkannt entkommen.
Nach ersten Erkenntnissen trafen mehrere Kugeln das Opfer. Die Ermittler begannen unmittelbar mit der Spurensicherung und der Befragung möglicher Zeugen. Noch herrscht Unklarheit über den genauen Ablauf der Tat. Fest steht lediglich: Die Schüsse fielen mitten am Tag in einem Wohnviertel, in dem zahlreiche Menschen unterwegs waren.
Der Fall reiht sich in eine Serie schwerer Gewalttaten ein, die Nantes seit Wochen beschäftigt. Bereits zuvor waren in den Vierteln La Bottière, Port-Boyer und La Halvêque mehrere Menschen durch Schusswaffen ums Leben gekommen. Vier Tote innerhalb von etwas mehr als einem Monat – eine Bilanz, die selbst erfahrene Beobachter aufhorchen lässt.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht erneut der Verdacht, dass die Tat mit dem Drogenhandel in Verbindung stehen könnte. Die Behörden prüfen, ob es sich um eine weitere Vergeltungsaktion oder einen Machtkampf rivalisierender Gruppen handelt. Ähnliche Hintergründe wurden bereits bei den vorherigen Tötungsdelikten in Betracht gezogen.
Die zunehmende Gewalt sorgt unter den Bewohnern für Verunsicherung. Augenzeugen berichteten von mehreren lauten Detonationen, die plötzlich die Mittagsruhe durchbrachen. Viele Anwohner sprechen von einer angespannten Stimmung, die sich seit Monaten bemerkbar macht. Zwar hatten die Sicherheitsbehörden ihre Präsenz in einigen betroffenen Vierteln verstärkt, doch die jüngsten Ereignisse zeigen, dass die Lage weiterhin fragil bleibt.
Nantes’ Bürgermeisterin Johanna Rolland forderte nach der Tat ein entschlossenes Vorgehen des Staates und rief dazu auf, sämtliche verfügbaren Mittel einzusetzen, um die Gewalt einzudämmen. Auch die Justiz reagierte umgehend. Der Staatsanwalt bestätigte den Tod des 18½-jährigen Opfers und kündigte umfassende Ermittlungen an.
Nun steht die Frage im Raum, ob es den Behörden gelingt, die Verantwortlichen schnell zu identifizieren und weitere Gewalttaten zu verhindern. Für viele Einwohner wirkt die Stadt derzeit wie ein Pulverfass, bei dem niemand vorhersagen kann, wann der nächste Funke überspringt.