London – 09.07.2026: Großbritanniens nationaler Wetterdienst Met Office hat für das laufende Jahr bereits acht Tage mit Höchsttemperaturen über 34 °C registriert – so viele wie nie zuvor. Der bisherige Rekord lag bei sieben Tagen und stammte aus den Jahren 1976 und 2020. Der ungewöhnlich frühe und andauernde Hitzepeak fällt in die Übergangszeit vom Frühjahr in den Frühsommer und überrascht Meteorologen vor allem wegen der Zahl der sehr heißen Tage in kurzer Folge.
Nach Met Office-Angaben wurden einzelne Spitzenwerte bereits im Mai und erneut im Juni gemessen; lokal erreichten Stationen mehr als 35 °C. Auffällig waren zugleich die warmen Nächte, die teils nicht unter 20 °C sanken. Solche tropischen Nächte erschweren die nächtliche Erholung, erhöhen gesundheitliche Risiken und setzen Infrastruktur unter Druck, etwa Stromnetze durch steigende Nachfrage nach Kühlung oder den Nahverkehr, wenn Schienen und Straßenbeläge stärker beansprucht werden.
Fachleute führen die Lage auf ein stabiles Hoch über Nordwesteuropa zurück, das wiederholt sehr warme Luftmassen aus dem Mittelmeerraum und Nordafrika nach Norden lenkte. Das Met Office und das Hadley Centre ordnen die Häufung der Extremwerte in den längerfristigen Erwärmungstrend ein. Langzeitreihen wie die Central England Temperature zeigen seit Jahrzehnten steigende Mittelwerte, was die Wahrscheinlichkeit früher, intensiver Hitzewellen erhöht und bestehende Rekorde anfälliger macht.
Gesundheitsdienste und Kommunen veröffentlichten in den vergangenen Wochen Hinweise zum Hitzeschutz: ausreichend trinken, direkte Sonne zur Mittagszeit meiden, Innenräume kühlen und auf gefährdete Gruppen achten. Krankenhäuser und Notrufstellen meldeten regional eine erhöhte Nachfrage nach Beratung. Behörden raten, Innenräume möglichst zu verschatten, Ventilation zu nutzen und Medikamente kühl zu lagern. Arbeitgeber werden aufgefordert, Arbeitszeiten im Freien anzupassen und Pausen zu verlängern.
Auch in anderen Teilen Westeuropas wurden nach übereinstimmenden Medienberichten neue Monats- und Tagesrekorde verzeichnet, darunter in Frankreich und in Regionen Spaniens. Die Weltorganisation für Meteorologie unterstützt gemeinsam mit nationalen Diensten die Aufbereitung von Datensätzen, um Attribution-Studien zu ermöglichen, die den Einfluss des menschengemachten Klimawandels beziffern. Solche Analysen benötigen geprüfte Stationsdaten, Satellitenbeobachtungen und Modellvergleiche, bevor sie veröffentlicht werden.
Kurzfristig rechnen Vorhersagemodelle mit einer leichten Abkühlung in Teilen des Vereinigten Königreichs. Gleichzeitig sehen Meteorologen angesichts des bereits erreichten Niveaus ein erhöhtes Potenzial für weitere Hitzeepisoden im weiteren Verlauf des Sommers. Die Marke von acht Tagen über 34 °C seit Jahresbeginn gilt als deutlicher Hinweis darauf, dass starke Hitzeereignisse in der Region häufiger und andauernder auftreten.
Quellen
- Met Office (offizielle Mitteilung und Blog)
- AP News
- Franceinfo (RSS-Hinweis des Einsenders)