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Christine Macha · 21.07.2026

Washington verschärft den Handelsstreit mit Kanada

Washington – 21.07.2026: Selten wirkt ein handelspolitischer Schritt zugleich so gezielt und so grundsaetzlich wie die neue amerikanische Zollentscheidung gegen Kanada. Präsident Donald Trump hat drei Proklamationen unter Section 338 des Zollgesetzes von 1930 unterzeichnet, die auf eine breite Gruppe kanadischer Waren zusätzliche Zölle von 50 Prozent erheben sollen. Betroffen sind vor allem Produkte aus den Bereichen Automobile, alkoholische Getränke und Milchwirtschaft. Wirksam werden die neuen Abgaben nach den vorliegenden Anordnungen am 19. August um 0.01 Uhr Ostküstenzeit.

Washington begründet den Vorstoss mit einer angeblich diskriminierenden Behandlung amerikanischer Exporte. Der Handelsbeauftragte Jamieson Greer spricht von einer Korrektur ungleicher Bedingungen. Aus kanadischer Sicht ist die Sache umgekehrt gelagert: Premierminister Mark Carney nennt die Maßnahmen einen direkten Verstoss gegen das nordamerikanische Freihandelsabkommen CUSMA, das in den Vereinigten Staaten unter der Bezeichnung USMCA bekannt ist. Ottawa betont, der eigene Kurs sei auf freien und fairen Handel gerichtet, und verweist auf mehr als 20 neue Wirtschafts- und Sicherheitspartnerschaften.

Die Entscheidung betrifft damit weit mehr als einzelne Konflikte um Käsequoten, Wein oder die Zulassung von Fahrzeugen. Kanada und die Vereinigten Staaten bilden eine der am engsten verflochtenen Wirtschaftsregionen der Welt. Zulieferteile passieren die Grenze häufig mehrfach, bevor aus ihnen ein fertiges Auto, eine Maschine oder ein Lebensmittelprodukt wird. Ein zusätzlicher Zoll kann deshalb Kosten nicht nur bei kanadischen Exporteuren, sondern ebenso bei amerikanischen Herstellern, Händlern und Verbrauchern erhöhen. Nach ersten Schätzungen umfasst die Maßnahme Waren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar pro Jahr.

Der Ton ist politisch auffällig. Noch am Vortag hatte Trump gemeinsam mit Carney Öffentlichkeit gesucht; nun setzt Washington auf ein Instrument, das im Verhältnis zweier Verbündeter als Ausnahme gedacht war. Section 338 erlaubt Gegenmaßnahmen gegen als diskriminierend eingestufte Handelspolitik. Ihre Anwendung unterstreicht, dass die Regierung den Streit nicht als technische Vertragsfrage, sondern als Machtfrage behandelt.

Für Carney entsteht daraus ein schwieriger Balanceakt. Eine rasche Vergeltung würde innenpolitisch Stärke signalisieren, könnte aber die Kosten in Kanada weiter treiben. Nachgeben wiederum wäre in einem Land mit erheblicher Abhängigkeit vom US-Markt kaum vermittelbar. Entscheidend werden die kommenden Wochen sein: Ob Ottawa auf Verhandlungen, Gegenzölle oder eine juristische Klärung im Rahmen des Abkommens setzt, entscheidet auch darüber, ob Nordamerika erneut in einen offenen Handelskonflikt rutscht.

Quellen

  • The White House
  • Office of the United States Trade Representative
  • Prime Minister of Canada
  • Associated Press
  • Axios

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