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Nachrichten.fr · 28.05.2026

Zwei Millionäre innerhalb von sieben Tagen: Der unglaubliche Lotto-Zufall von Cassis

Manche Geschichten klingen so unwahrscheinlich, dass selbst eingefleischte Optimisten kurz die Stirn runzeln. Genau so eine Geschichte spielt sich derzeit im kleinen Hafenort Cassis an der französischen Mittelmeerküste ab. Dort, wo sonst Segelboote schaukeln, Touristen Pastis trinken und die Calanques wie gemalt in der Sonne liegen, dreht sich plötzlich alles um Millionen.

Genauer gesagt: um fast 49 Millionen Euro.

Im Zentrum des Geschehens steht ein unscheinbarer Tabakladen mit dem typisch südfranzösischen Namen „La Civette du Port“. Ein Laden wie viele andere eigentlich — Zigaretten, Zeitschriften, Lottoscheine, ein kurzer Plausch am Tresen. Doch innerhalb von nur einer Woche entwickelte sich genau dieser Ort zu einer Art Pilgerstätte für Glückssucher.

Am 21. April wurde dort zunächst ein Euromillions-Ticket validiert, das einem französischen Gewinner einen Anteil von mehr als 48 Millionen Euro bescherte. Schon das allein genügt normalerweise für Schlagzeilen in ganz Frankreich. Der Euromillions-Jackpot gehört schließlich zu den schwierigsten Lotterien Europas. Die Chancen auf den Hauptgewinn liegen irgendwo in astronomischen Sphären — ungefähr so realistisch wie ein spontaner Schneesturm im Hochsommer von Marseille.

Und dann passierte es noch einmal.

Nur wenige Tage später meldete die Française des Jeux erneut einen Millionengewinn aus demselben Geschäft. Diesmal ging es „nur“ um eine Million Euro — gewonnen über das Zusatzspiel „My Million“, das automatisch mit jedem Euromillions-Tipp verbunden ist. Ein Paar aus der Region traf der Geldregen völlig unerwartet.

Besonders kurios: Die Gewinnerin soll zuvor mehrfach davon geträumt haben, im Lotto zu gewinnen. Freunde hätten darüber zunächst nur gelacht. Sie selbst begann danach regelmäßig zu spielen. Nicht fanatisch, eher nach dem Motto: „Warum eigentlich nicht?“ Am Ende entschied ausgerechnet nicht ihre persönliche Zahlenkombination über den Gewinn, sondern der automatisch generierte Code des Zusatzspiels.

Tja. So spielt das Leben manchmal.

In Cassis spricht inzwischen fast jeder darüber. Vor dem kleinen Laden bilden sich immer wieder Menschentrauben. Urlauber fotografieren die Eingangstür, Einheimische kaufen plötzlich regelmäßig Lottoscheine, obwohl sie vorher jahrelang keinen einzigen ausgefüllt hatten. Der Ort lebt von Geschichten — Fischerlatein, Hafenklatsch, Sommerromanzen. Doch dieses Kapitel toppt momentan alles.

Der Betreiber des Geschäfts erlebt einen Ausnahmezustand. Zwischen Tabakregalen und Postkarten herrscht seit Tagen Hochbetrieb. Manche Kunden betreten den Laden fast ehrfürchtig, als könne ein bisschen Glück an den Wänden haften geblieben sein.

Frankreich liebt solche Geschichten.

Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit entfalten Lotto-Millionäre eine fast märchenhafte Wirkung. Normale Menschen, deren Alltag sich innerhalb weniger Sekunden vollständig verändert — das berührt viele. Vielleicht, weil sich darin eine stille Hoffnung versteckt: Dass das Leben manchmal doch überraschende Türen öffnet.

Und Cassis liefert dafür die perfekte Kulisse. Der kleine Küstenort gilt ohnehin als Sehnsuchtsort zwischen Provence und Mittelmeer. Enge Gassen, bunte Fassaden, Cafés am Wasser — fast zu schön, um wahr zu sein. Nun kommt noch der Ruf als „Glücks-Hafen“ hinzu.

Ob das Wunder von Cassis anhält, weiß natürlich niemand. Wahrscheinlich spricht die Statistik eher dagegen. Aber Statistiken interessieren Menschen herzlich wenig, sobald irgendwo Millionen gewonnen werden.

Der kleine Tabakladen am Hafen hat längst Kultstatus erreicht.

Oder wie viele Franzosen inzwischen sagen: das berühmte „bureau de tabac porte-bonheur“ — der Glücks-Tabakladen.

Von C. Hatty