Alès – 17.07.2026: Gegen den Bürgermeister von Alès, Christophe Rivenq, sind offenbar gezielte Todesdrohungen ausgesprochen worden. Am Wohnhaus des konservativen Kommunalpolitikers im Département Gard wurden beleidigende und bedrohliche Schmierereien entdeckt. In seinem Briefkasten fanden sich zudem zwei Patronen des Kalibers 9 Millimeter sowie ein Schreiben mit einer Signatur, die auf die Gruppe DZ Mafia und eine sogenannte neue Generation verweist.
Die Staatsanwaltschaft in Alès eröffnete ein Ermittlungsverfahren wegen Todesdrohungen und Einschüchterung eines Mandatsträgers. Die zuständige interregionale Fachgerichtsbarkeit in Marseille soll die Untersuchung führen. Staatsanwalt Abdelkrim Grini mahnte zur Vorsicht: Die Kennzeichnung des Schreibens erlaube bislang keine gesicherte Zuordnung der Tat zu einer bestimmten kriminellen Organisation. Gerade im Milieu des Drogenhandels können Gruppennamen auch zur Einschüchterung missbräuchlich verwendet werden.
Innenminister Laurent Nunez nahm nach Angaben mehrerer Medien noch am Donnerstagabend Kontakt zu Rivenq auf. Für Alès wurde kurzfristig die CRS-Einheit 84 angefordert, um die Polizeipräsenz zu verstärken. Dem Bürgermeister wurde demnach auch Personenschutz angeboten; Rivenq lehnte diese Maßnahme vorerst ab. Der Elysee-Palast und zahlreiche Kommunalpolitiker aus dem Gard bekundeten ihre Unterstützung.
Der Vorfall erhält sein Gewicht durch die Entwicklung in Alès, einer Stadt mit rund 40.000 Einwohnern am Rand der Cevennen. Ermittler gehen davon aus, dass die ursprünglich aus Marseille stammende DZ Mafia seit dem Sommer 2025 insbesondere im Quartier des Cevennes versucht, Einfluss auf lokale Drogenmärkte zu gewinnen. Dort und in weiteren Stadtteilen kam es in den vergangenen Monaten wiederholt zu Schusswaffengewalt und tödlichen Angriffen im Zusammenhang mit dem Rauschgifthandel.
Präfekt Jerome Bonet verweist auf eine verschärfte gemeinsame Strategie von Nationalpolizei, Stadtpolizei, Präfektur und Justiz. Nach seinen Angaben stieg die Zahl der Festnahmen im Zusammenhang mit Drogenhandel im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 70 Prozent. Die Zahl der Inhaftierungen erhöhte sich demnach von 29 auf 68. Diese Zahlen lassen zwar keinen unmittelbaren Schluss auf die Täterschaft zu, erklären aber den Kontext erhöhter Spannungen.
Für die französische Innenpolitik ist der Fall ein weiterer Hinweis auf die wachsende Berührung zwischen kommunaler Amtsausübung und organisierter Kriminalität. Bürgermeister sind bei der Sicherung öffentlicher Räume, bei kommunaler Prävention und durch die Zusammenarbeit ihrer Stadtpolizeien unmittelbar in die lokale Bekämpfung des Drogenhandels eingebunden. Eine gegen einen amtierenden Bürgermeister gerichtete Einschüchterung zielt daher nicht nur auf eine Person, sondern auf die staatliche Handlungsfähigkeit vor Ort.
Rivenq war bei den Kommunalwahlen im März 2026 erneut zum Bürgermeister gewählt worden. Sein Vorgänger Max Roustan war bereits 2016 am eigenen Wohnhaus bedroht worden, als mit Benzin getränkte Decken an Fahrzeugen und an der Fassade abgelegt wurden. Der aktuelle Fall unterscheidet sich durch die mögliche Verbindung zum organisierten Drogenhandel. Ob diese Spur trägt, müssen nun die Ermittlungen klären.
Quellen
- Le Monde
- Ministerium des Innern – Wahlergebnisse 2026
- Journal du Dimanche
- Objectif Gard