Zurück

Daniel Ivers · 18.07.2026

Fall Jubillar: Warum das Feld bei Mailhoc bislang nicht durchsucht wurde

Mailhoc – 18.07.2026: Ein Feld am Rand eines Waldstücks, eine abgesperrte Zufahrt, Ermittler in weißen Schutzanzügen: Bei Mailhoc im Département Tarn hat die Suche im Fall Delphine Aussaguel eine neue, noch vorsichtig zu bewertende Wendung genommen. Am Donnerstag, 16. Juli, fanden Gendarmen dort Knochenreste, deren Herkunft nun forensisch untersucht wird.

Der Fundort liegt nahe der Departementsstraße D600 und dem Chemin de Lobre, rund elf Kilometer vom früheren Wohnhaus des Ehepaars in Cagnac-les-Mines entfernt. Es handelt sich um eine landwirtschaftlich geprägte, von Gehölzen abgeschirmte Parzelle. Gerade diese Lage erklärt, weshalb der Ort bislang nicht zum bekannten Suchgebiet gehörte: Er war trotz zahlreicher Einsätze seit Ende 2020 nie gezielt abgesucht worden.

Entscheidend war nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft am Berufungsgericht Toulouse ein neuer Hinweis von Cédric Jubillar. Der 38-Jährige soll den Ermittlern den Bereich bezeichnet haben, nachdem er Anfang Juli in einem Schreiben seine Verantwortung für den Tod seiner Ehefrau eingeräumt hatte. Zu den genauen Umständen dieses Schreibens und zu weiteren Angaben äußern sich die Behörden bislang zurückhaltend.

Die Gendarmerie setzte am Fundort umfangreiche Kräfte ein, darunter die Ermittlungsabteilung Toulouse, Spezialisten des Instituts für Kriminalforschung der Gendarmerie und Hundestaffeln. Die Durchsuchung wurde am Freitag, 17. Juli, fortgesetzt. Gesucht wird nicht nur nach weiteren möglichen menschlichen Überresten, sondern auch nach Gegenständen oder Spuren, die den Ablauf der Ereignisse erhellen könnten.

Dass das Gelände früher nicht durchsucht wurde, ist deshalb kein Hinweis auf ein Versäumnis, sondern zunächst Folge der damaligen Ermittlungsgrundlage. Suchmaßnahmen können nicht jedes abgelegene Grundstück der Region erfassen. Erst die konkrete Ortsangabe erlaubte es den Ermittlern, ihre Kräfte auf diese einzelne Parzelle zu konzentrieren und sie mit kriminaltechnischen Mitteln zu untersuchen.

Die gefundenen Reste wurden zur Analyse an das Institut für Kriminalforschung der Gendarmerie in Pontoise gebracht. Dort sollen genetische Untersuchungen klären, ob es sich um Delphine Aussaguel handelt. Auch mögliche Verletzungsspuren und die Liegezeit können Gegenstand der Expertise sein. Ein Ergebnis zu Identität oder Todesursache lag am Samstag nicht vor.

Delphine Aussaguel war in der Nacht zum 16. Dezember 2020 aus dem gemeinsamen Haus in Cagnac-les-Mines verschwunden. Cédric Jubillar wurde im Oktober 2025 wegen Mordes zu 30 Jahren Haft verurteilt; gegen das Urteil läuft ein Berufungsverfahren. Der Fund von Mailhoc beantwortet daher noch keine offenen Fragen. Für die Angehörigen könnte er jedoch nach Jahren der Ungewissheit von großer menschlicher Bedeutung sein.

Quellen

  • Franceinfo
  • Le Monde
  • La Dépêche du Midi
  • Euronews