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Patrice Tiko · 15.07.2026

Französische Sparer verlagern Geld in die Lebensversicherung

Paris – 15.07.2026: Frankreichs Regierung hebt den Zinssatz des Livret A zum 1. August von 1,5 auf 1,7 Prozent an. Die Entscheidung beendet zwar die seit Anfang 2025 anhaltende Serie von Zinssenkungen. Sie trifft jedoch auf einen Sparmarkt, auf dem die Lebensversicherung bereits deutlich an Gewicht gewonnen hat. Die Daten der Banque de France und der Versicherungsaufsicht ACPR zeigen eine klare Umschichtung langfristiger Ersparnisse.

Der Livret A bleibt das zentrale liquide und steuerfreie Sparprodukt der privaten Haushalte. Sein Zins war bis Januar 2025 noch auf 3 Prozent festgesetzt, sank dann auf 2,4 Prozent, im August 2025 auf 1,7 Prozent und im Februar 2026 auf 1,5 Prozent. Die nun beschlossene Anhebung gleicht diesen Rueckgang nur teilweise aus. Sie gilt für den Livret A ebenso wie für den Livret de developpement durable et solidaire.

Massgeblich für den Wechsel der Anlagepraeferenzen ist der Renditeabstand. Nach vorlaeufigen Angaben der ACPR erzielten Euro-Fonds innerhalb der Lebensversicherung 2025 durchschnittlich 2,65 Prozent netto vor Sozialabgaben. Zugleich verzeichnete die Lebensversicherung ohne Altersvorsorgeprodukte einen Nettozufluss von 44 Milliarden Euro. Das war der hoechste Wert seit Beginn der vergleichbaren Statistik im Jahr 2011 und fast doppelt so viel wie 2024.

Die Entwicklung bedeutet nicht, dass Sparer in grossem Umfang in risikoreiche Anlagen gewechselt waeren. Euro-Fonds verbinden im Regelfall eine Kapitalgarantie mit einer langfristigeren Bindung als das jederzeit verfuegbare Sparbuch. Daneben floss ein erheblicher Teil der neuen Beitraege in fondsgebundene Einheiten, deren Wert schwanken kann. Die hoeheren Ertragserwartungen gehen dort daher mit einem Verlustrisiko einher, das beim Livret A nicht besteht.

Der Rueckgang der Einlagen auf dem Livret A hatte sich bereits im ersten Halbjahr 2026 abgezeichnet. Nach Zahlen der Caisse des depots summierten sich die Nettoabhebungen seit Jahresbeginn bis Ende Mai auf 5,01 Milliarden Euro. Diese Bewegung ist auch institutionell relevant: Die Einlagen des Livret A finanzieren über die Caisse des depots unter anderem den sozialen Wohnungsbau und langfristige kommunale Infrastrukturprojekte.

Die Zinsanpassung folgt einer halbjaehrlichen Berechnung, für die vor allem Inflation und kurzfristige Geldmarktsaetze herangezogen werden. Der Wirtschaftsminister Roland Lescure hatte Ende Juni eine Erhoehung angekuendigt. Die Entscheidung wird nun nach dem Vorschlag des Gouverneurs der Banque de France umgesetzt. Sie signalisiert eine begrenzte Entlastung für liquide Ersparnisse, aendert aber die relative Attraktivitaet der Lebensversicherung nur eingeschraenkt.

Für die Haushalte bleibt damit die Zweckbindung entscheidend. Das Livret A eignet sich vor allem für kurzfristig verfuegbare Ruecklagen, während Lebensversicherungen auf einen längeren Anlagehorizont ausgerichtet sind. Der starke Zufluss des Jahres 2025 zeigt, dass viele Sparer diesen Unterschied neu gewichten. Die Rueckkehr des Livret-A-Zinses auf 1,7 Prozent duerfte diese strukturelle Verschiebung eher bremsen als umkehren.

Quellen

  • Franceinfo
  • Banque de France
  • Autorite de controle prudentiel et de resolution
  • Ministere de l'Economie et des Finances
  • Caisse des depots