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NEWSDESK · 18.07.2026

Gedenktafel für Retterfamilie im 12. Arrondissement von Paris beschädigt

Paris – 18.07.2026: Eine Gedenktafel zu Ehren von Arsène Richard, seiner Frau Angèle und ihrer Tochter Marcelle ist im 12. Arrondissement von Paris beschädigt worden. Die Tafel befindet sich in der Rue Louis Braille und erinnert an die Familie Richard, die während der deutschen Besatzung einen jüdischen Nachbarsjungen vor der Verfolgung bewahrte. Bürgermeister Emmanuel Grégoire machte den Vorfall am Freitag öffentlich.

Die Beschädigung fällt in die Tage der Erinnerung an die Razzia im Velodrom d'Hiver. Am 16. und 17. Juli 1942 wurden in Paris mehr als 13.000 Jüdinnen und Juden festgenommen, darunter zahlreiche Kinder. Viele der Verhafteten wurden zunächst im Vélodrome d'Hiver eingesperrt und anschließend über französische Sammellager in deutsche Vernichtungslager deportiert.

Die Familie Richard nahm den jungen Edmond Richemond auf, nachdem dessen Mutter bei der Razzia festgenommen worden war. Nach Angaben des Französischen Komitees für Yad Vashem gehörten auch Marcelle Richard und nicht nur ihre Eltern zu den Menschen, die den Jungen schützten. Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem erkannte Arsène, Angèle und Marcelle Richard 2018 als Gerechte unter den Völkern an.

Die Gedenktafel am Haus in der Rue Louis Braille verweist auf diese Rettungsgeschichte. Sie wurde nach Angaben des Französischen Komitees für Yad Vashem im Jahr 2021 eingeweiht. Der Erinnerungsort steht damit für den individuellen Schutz, den nichtjüdische Familien Verfolgten unter erheblichem persönlichem Risiko gewährten. Die öffentliche Ehrung soll zugleich die Geschichte der geretteten Menschen bewahren.

Grégoire verurteilte die Beschädigung und verband seine Reaktion mit einer Solidaritätsbekundung für die jüdische Bevölkerung von Paris. Angaben dazu, wann genau die Tafel beschädigt wurde, wie groß der Sachschaden ist oder ob bereits eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet wurde, lagen zunächst nicht belastbar vor. Auch zu möglichen Tatverdächtigen oder einem Motiv wurden keine gesicherten Informationen veröffentlicht.

Der Vorfall lenkt den Blick erneut auf die Bedeutung von Erinnerungszeichen im öffentlichen Raum. In Paris erinnern zahlreiche Tafeln, Schulen, Straßen und Gedenkorte an die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung sowie an Menschen, die Juden während der Besatzungszeit halfen. Die beschädigte Tafel für die Familie Richard liegt in einem Wohnviertel, in dem die Geschichte der Rettung von Edmond Richemond konkret mit einer Adresse verbunden bleibt.

Quellen

  • franceinfo
  • Französisches Komitee für Yad Vashem
  • Stadt Paris