Cagnac-les-Mines – 16.07.2026: Ein abgesperrter Abschnitt an einer Straße im Tarn, Ermittler bei der Arbeit, dazu ein Fund, der eine seit Jahren offene Frage berührt: Bei den neuen Suchmaßnahmen im Fall Delphine Aussaguel sind am Donnerstag nicht identifizierte Knochen entdeckt worden. Ob es sich um menschliche Überreste handelt und ob sie Delphine Aussaguel zugeordnet werden können, müssen nun rechtsmedizinische Untersuchungen klären.
Die Suche begann, nachdem Cédric Jubillar nach Angaben der Justiz eingeräumt hatte, für den Tod seiner Ehefrau verantwortlich zu sein, und den Ermittlern Hinweise auf einen möglichen Ablageort gegeben hatte. Der Mann wurde zur Suchaktion in den Tarn gebracht. Die Gendarmerie setzte ein umfangreiches Aufgebot ein; die Arbeiten in dem Gelände dauerten am Donnerstag weiter an.
Delphine Aussaguel, die nach ihrer Heirat den Namen Jubillar trug, war in der Nacht zum 16. Dezember 2020 aus ihrem Haus in Cagnac-les-Mines verschwunden. Ihr Verbleib blieb über Jahre ungeklärt. Cédric Jubillar war in erster Instanz wegen Mordes zu 30 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden; gegen dieses Urteil läuft ein Berufungsverfahren.
Für die Angehörigen und das Umfeld der Vermissten verbindet sich mit dem Fund keine Gewissheit, sondern zunächst eine weitere Phase des Wartens. Erst DNA-Analysen und die Untersuchung des Fundorts können beantworten, wessen Überreste entdeckt wurden und ob sich daraus belastbare Erkenntnisse zu den Umständen des Todes ergeben. Bis dahin gilt die Identität der gefundenen Knochen als offen.
Die Anwältin einer engen Freundin von Delphine Aussaguel sagte bei Franceinfo, mit dem Fund beginne gewissermaßen ein zweiter Fall. Gemeint ist die neue Beweislage, die sich aus einer möglichen Identifizierung und aus den forensischen Befunden ergeben könnte. Sie könne die bislang bekannte Akte ergänzen, aber auch neue Fragen an Ermittler, Gutachter und Verteidigung auslösen.
Besonders deutlich ist die Folge für den Berufungsprozess vor dem Schwurgericht in Toulouse. Der Beginn war bislang für den 21. September 2026 vorgesehen. Nach Einschätzung der Anwältin dürfte dieser Termin kaum zu halten sein, weil die neuen Befunde zunächst gesichert, ausgewertet und allen Verfahrensbeteiligten zugänglich gemacht werden müssen. Eine offizielle Entscheidung über eine Verlegung lag am Donnerstagabend nicht vor.
Der Fall erhält damit eine Wendung, die juristisch weit über den Fundort hinausreicht. Ein Berufungsprozess soll das erstinstanzliche Urteil vollständig neu prüfen. Sollten die Experten die Knochen Delphine Aussaguel zuordnen, könnten ihre Befunde für die Rekonstruktion der Tat von erheblicher Bedeutung sein. Zugleich bleibt es Aufgabe der Justiz, jedes neue Ergebnis sorgfältig und im Rahmen eines fairen Verfahrens zu bewerten.
Quellen
- Franceinfo
- AFP via Boursorama
- Le Progres
- La Depeche du Midi
- RTL