Liévin – 05.07.2026: Marine Le Pen und Jordan Bardella haben am Samstagabend in Liévin (Pas-de-Calais) demonstrativ Einigkeit gezeigt. Bei einem von der Partei organisierten Freilufttreffen suchten beide die Nähe zur Basis und positionierten das Rassemblement National (RN) geschlossen, während in Paris für Dienstag eine Entscheidung der Berufungsinstanz erwartet wird. Diese könnte unmittelbare Folgen für Le Pens Rolle im Anlauf zur Präsidentschaftswahl 2027 haben.
Le Pen erklärte vor Anhängern, sie werde Jordan Bardella unterstützen, falls ihr juristisch eine erneute Kandidatur verwehrt bleibt. Sie wolle ihn „mit großer Energie, großer Überzeugung und großem Vertrauen“ verteidigen, sagten mehrere französische Medien übereinstimmend. Bardella wiederum bekräftigte seinen vollen Rückhalt für Le Pen und äußerte die Hoffnung, sie in einigen Monaten als Präsidentin zu sehen. Das sichtbare Ziel: Zweifel an der Führungsfrage eindämmen und die Partei auf alle Eventualitäten vorbereiten.
Auslöser ist ein Verfahren, in dem erstinstanzliche Entscheidungen eine zeitweise Unwählbarkeit Le Pens vorsehen. Die Cour d'appel de Paris prüft nun, ob diese Sanktion bestätigt oder abgemildert wird. Eine Bestätigung über mehr als zwei Jahre hätte weitreichende Konsequenzen: Le Pen dürfte 2027 nicht antreten, und das RN müsste formell einen Ersatzkandidaten – naheliegend Bardella – präsentieren. In Parteikreisen gilt das Duo als zentraler Stabilitätsfaktor, zugleich aber auch als potenzielle Bruchstelle zwischen dem personalisierten „Marinismus“ und einem stärker auf Bardella zugeschnittenen Zukunftsmodell.
Politisch ist die Kalkulation klar: Ein geschlossener Auftritt soll die Mobilisierung aufrechterhalten, regionale Verbände binden und Spendenströme sichern, während die Rechtslage ungeklärt bleibt. Strategisch versucht das RN, Führungsstärke zu signalisieren, ohne den Eindruck einer Vorfestlegung zu erwecken. Beobachter verweisen darauf, dass die Partei in früheren Wahlzyklen von internen Lagerbildungen gebremst wurde und deshalb nun Konflikte sichtbar einhegen will.
Die Berufungsentscheidung betrifft zwar eine juristische Frage, berührt aber institutionelle und demokratische Abläufe: Sie klärt, in welchem Umfang Sanktionen die Wählbarkeit einer prominenten Kandidatin begrenzen dürfen – und wie Parteien ihre Personalplanung anpassen. Französische Medien wie AFP, Le Parisien und TF1 dokumentierten den Abend in Liévin zeitnah. Unabhängig vom Ausgang am Dienstag wird das Urteil die nächsten Schritte des RN strukturieren: Entweder startet Le Pen mit erneuertem Mandat in den Vorwahlmodus – oder Bardella rückt stärker in die Rolle eines designierten Spitzenkandidaten.
Quellen
- AFP
- Le Parisien
- TF1 Info
- ANSA
- Boursorama