Fleurance – 16.06.2026: Die Mutter von Rosa, einer 12-jährigen Schülerin aus dem Gers, hat Klage gegen den französischen Staat eingereicht. Sie wirft den Behörden vor, bei der Untersuchung der Vergewaltigungsvorwürfe gegen Jérôme Barella versagt zu haben. Barella ist der Hauptverdächtige im Fall der verschwundenen 11-jährigen Lyhanna.
Im August 2025 hatte Rosas Mutter Strafanzeige erstattet, nachdem ihre Tochter wiederholt von Barella vergewaltigt worden sein soll. Die mutmaßlichen Taten sollen sich zwischen September 2024 und Mai 2025 in Barellas Wohnort Montestruc-sur-Gers zugetragen haben. Trotz medizinischer und psychologischer Gutachten, die Rosas Aussagen unterstützten, wurde Barella nicht verhört. Neun Monate nach der Anzeige befand sich der Verdächtige weiterhin auf freiem Fuß.
Aufgrund dieser Untätigkeit hat die Mutter eine Klage wegen „grober Fahrlässigkeit“ gegen den Staat eingereicht. Zudem plant sie strafrechtliche Schritte gegen die beteiligten Ermittler und Richter wegen unterlassener Hilfeleistung und Gefährdung des Lebens weiterer Personen.
Diese behördlichen Versäumnisse stehen im Zusammenhang mit zahlreichen Vorwürfen gegen Barella. Bereits 2017 war er in Polizeidatenbanken aufgeführt, weil er eine problematische Beziehung zu einer Minderjährigen unterhalten haben soll – ohne dass Anklage erhoben wurde. 2021 wurde er von einer Schule wegen „unangemessenen Verhaltens“ gegenüber einer Schülerin entlassen, ohne dass dies den Behörden gemeldet wurde. Im Oktober 2022 erfolgte die erste formelle Anzeige wegen Vergewaltigung eines minderjährigen Mädchens. Weitere Anzeigen folgten in den Jahren 2025 und 2026 aus verschiedenen Regionen Frankreichs, die Mädchen unter 15 Jahren betrafen. Trotz belastender psychologischer und forensischer Beweise zogen sich die Ermittlungen wegen langsamer Behördenkommunikation und mangelnder proaktiver Maßnahmen in die Länge.
Die Mutter von Rosa kritisiert die Justiz scharf. Sie erklärt, nun selbst handeln zu müssen, nachdem die staatlichen Institutionen versagt hätten. Sie fordert eine umfassende Aufarbeitung der Fehler und eine wirksame Rechenschaftspflicht.
Die Klage hat in der Öffentlichkeit großes Aufsehen erregt und Fragen zur Wirksamkeit der Justiz bei Fällen sexuellen Missbrauchs aufgeworfen. Die Ermittlungen gegen Barella dauern an. Die Behörden stehen unter erheblichem Druck, die Vorwürfe gründlich aufzuklären und Verantwortung zu übernehmen.
Die Familie von Rosa hofft, dass ihre Klage eine sorgfältige Untersuchung der Versäumnisse auslöst und dazu beiträgt, solche Fälle künftig ernsthafter zu behandeln. Sie verlangt Gerechtigkeit für ihre Tochter und andere mögliche Opfer.
Die Öffentlichkeit erwartet nun, dass die Justiz Maßnahmen ergreift, um Versäumnisse zu vermeiden und den Opfern von sexuellem Missbrauch gerecht zu werden.
Quellen
- Le Monde
- Planet.fr
- Le Point