Danjoutin – 19.07.2026: Dopingkontrollen in der Nacht zum Sonntag haben auf der Tour de France eine Auseinandersetzung über die Arbeits- und Erholungsbedingungen der Fahrer ausgelöst. Der Träger des Gelben Trikots, Tadej Pogacar vom Team UAE Emirates-XRG, wurde nach Angaben von L'Équipe gegen 5 Uhr in Danjoutin kontrolliert. Sein dänischer Rivale Jonas Vingegaard von Visma-Lease a Bike war bereits gegen 2 Uhr in Besancon zu einer Kontrolle aufgefordert worden.
Die Vorgänge ereigneten sich vor dem Start der 15. Etappe, nachdem die Fahrer infolge eines langen Transfers vom Markstein erst spät ihre Hotels erreicht hatten. Pascal Chanteur, Präsident der Union nationale des cyclistes professionnels, kritisierte die nächtlichen Maßnahmen scharf. Der Verband der französischen Berufsfahrer verlangt, bei der Organisation der Kontrollen stärker auf Schlaf, Regeneration und die besondere Belastung einer dreiwöchigen Rundfahrt Rücksicht zu nehmen.
Der Einwand richtet sich nicht gegen das Prinzip unangekündigter Tests. Vielmehr steht die Frage im Raum, ob deren Zeitpunkt im laufenden Rennen angemessen war. Schlafmangel kann die körperliche Leistungsfähigkeit und Konzentration beeinträchtigen, besonders nach einer Bergetappe und einer Transferfahrt. Im professionellen Radsport, in dem Erholung Teil der medizinischen und sportlichen Planung ist, erhält diese Abwägung zusätzliches Gewicht.
Rechtlich sind Nachtkontrollen in Frankreich jedoch nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Das französische Sportrecht erlaubt Kontrollen zwischen 23 Uhr und 6 Uhr am Wohn- oder Aufenthaltsort, wenn die Privatsphäre des Sportlers gewahrt bleibt und weitere Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu zählen insbesondere die Zugehörigkeit zu einem internationalen Testpool oder die Teilnahme an einer internationalen Sportveranstaltung. Die Tour de France fällt in diese Kategorie.
Die praktische Durchführung des Anti-Doping-Programms liegt bei der International Testing Agency, der die Union Cycliste Internationale seit 2021 operative Aufgaben ihres Kontrollsystems übertragen hat. Die UCI setzt bei der Tour auf risikobasierte und gezielte Tests. In früheren Programmen gehörten Kontrollen des Gesamtführenden und des jeweiligen Etappensiegers nach jeder Etappe ausdrücklich zum Verfahren. Eine Kontrolle bedeutet dabei weder einen Verdacht noch einen Befund.
Für die Teams bleibt die Lage dennoch heikel. Visma-Lease a Bike erklärte nach dem nächtlichen Test Vingegaards, die Unterbrechung sei für den Schlaf nicht ideal, wertete die Kontrolle aber zugleich als positives Signal für die Glaubwürdigkeit des Sports. Der Konflikt verweist damit auf zwei legitime Ziele: möglichst wirksame, überraschende Anti-Doping-Maßnahmen und den Schutz von Athleten, deren Leistungsfähigkeit von eng getakteter Erholung abhängt.
Eine unmittelbare Änderung des Kontrollverfahrens wurde am Sonntag nicht bekannt. Chanteurs Kritik dürfte jedoch den Druck erhöhen, die Koordination zwischen Kontrollinstanzen, Veranstalter Amaury Sport Organisation und Mannschaften zu überprüfen. Gerade bei den führenden Fahrern ist die öffentliche Aufmerksamkeit besonders hoch. Die Integrität der Kontrollen hängt deshalb nicht nur von ihrer Strenge ab, sondern auch von nachvollziehbaren und verhältnismäßigen Abläufen.
Quellen
- Franceinfo
- L'Équipe
- Union Cycliste Internationale
- Ligue Nationale de Cyclisme
- Légifrance