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Jean-Paul Huber · 09.07.2026

Proteste in Avignon gegen Kulturkürzungen – Mélenchon spricht vor dem Rathaus

Avignon – 09.07.2026: Vor dem Rathaus von Avignon haben sich am Donnerstagnachmittag zahlreiche Angehörige des lebendigen Theaters – Schauspielerinnen und Schauspieler, Techniker, Regieteams sowie Beschäftigte von Bühnenbetrieben – zu einer Kundgebung gegen angekündigte Einschnitte im Kulturhaushalt versammelt. Organisiert wurde der Protest von Gewerkschaften der Sparte spectacle vivant und lokalen Initiativen aus dem Umfeld des Off‑Festivals. Die Teilnehmenden kritisierten, die jüngst skizzierten Haushaltsanpassungen gefährdeten Festivals, freie Kompanien und kleinere Häuser, die bereits mit steigenden Produktions- und Tourneekosten zu kämpfen haben.

Die Veranstalter fordern ein sofortiges Moratorium für weitere Kürzungen und kündigten an, die Mobilisierung bis zur parlamentarischen Herbstsitzung aufrechtzuerhalten. Vertreterinnen und Vertreter des Syndeac sowie weiterer Verbände verwiesen auf Listen betroffener Strukturen, die nach ihren Angaben mit reduzierten Zuschüssen oder unsicheren Förderzusagen rechnen müssen. Viele Einrichtungen planen ihre Spielzeiten Monate im Voraus; kurzfristige Änderungen bei Subventionen könnten Proben, Gastspiele und Koproduktionen unmittelbar treffen.

Als Gastredner trat Jean‑Luc Mélenchon, Vorsitzender der Parlamentsgruppe von La France insoumise und erklärter Präsidentschaftsbewerber für 2027, vor die Versammelten. Er warb für einen starken öffentlichen Kulturauftrag und kritisierte Priorisierungen zulasten der Künste. Sein Auftritt verlieh der lokalen Kundgebung eine nationale Note und unterstreicht, dass kulturpolitische Fragen in den beginnenden Wahlkampf hineinwirken. Zugleich betonten die Organisatoren, es gehe ihnen vorrangig um Planungssicherheit und den Schutz künstlerischer Arbeitsplätze, nicht um parteipolitische Vereinnahmung.

Die Kontroverse fällt in eine Phase hoher Aufmerksamkeit für Avignon: Unmittelbar zum Festivalauftakt hatte Kulturministerin Catherine Pégard die Stadt besucht, um Gespräche über Haushaltsziele und Strukturförderung zu führen. In Fachkreisen wächst der Unmut insbesondere im Off‑Festival, wo zahlreiche freie Produktionen auf niedrige Margen angewiesen sind. Dort befürchten Spielstätten, dass sinkende Zuschüsse zusätzliche Kostensteigerungen – etwa für Mieten, Energie, Transport und Gagen – nicht mehr auffangen können.

Wie es weitergeht, hängt von anstehenden Beratungen zwischen Verbänden, Ministerium und Haushaltsberichterstattern ab. Die Gewerkschaften kündigten weitere Aktionen während der Festivalwochen an. Aus dem Umfeld des Off heißt es, man prüfe Informationsstände, öffentliche Debatten und kurze Warnstreiks, um Aufmerksamkeit zu schaffen, ohne den Festivalbetrieb lahmzulegen. Für die Branche steht die Aufrechterhaltung von Probenzeiten, Tourneen und Beschäftigung im Mittelpunkt – und die Frage, ob die angekündigten Einsparungen noch vor Abschluss der Spielzeitplanung ausgesetzt oder abgemildert werden.

Quellen

  • franceinfo
  • Le Monde
  • Le Journal du Dimanche
  • Festival d'Avignon
  • Syndeac