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Jean-Paul Huber · 09.07.2026

RN macht Frontfrau stark: Marine Le Pen führt, Jordan Bardella rückt auf Nummer zwei

Paris – 09.07.2026: Marine Le Pen hat am 7. Juli in Anwesenheit des Parteichefs Jordan Bardella ihre Kandidatur für die französische Präsidentschaftswahl 2027 erklärt. Der Schritt folgt auf ein Berufungsurteil in Paris, gegen das sie beim Kassationsgerichtshof Rechtsmittel einlegen will. Mit der Rückkehr der langjährigen Frontfigur an die Spitze der Kommunikation ordnet sich die Hierarchie im Rassemblement National (RN) neu: Bardella, zuletzt als mögliche Alternative aufgebaut, tritt wieder als Nummer zwei auf.

In den Monaten zuvor hatte der 28-Jährige sein Profil geschärft, unter anderem, weil er strafrechtlich nicht belastet ist und den Generationswechsel im RN verkörpert. Seine starke Präsenz in Medien und im Europawahlkampf hatte Spekulationen genährt, er könne im Fall weiterer juristischer Risiken für Le Pen zur ersten Option werden. Mit dem gemeinsamen Auftritt sendet die Partei nun ein anderes Signal: Le Pen beansprucht die Führungsrolle in der Präsidentschaftskampagne, Bardella flankiert sie organisatorisch.

Parteiintern wird über eine Arbeitsteilung diskutiert, die Bardella als Koordinator des Apparats und potenziellen Regierungsakteur vorsieht, sollte der RN an die Regierung kommen. Dieses Modell soll Verlässlichkeit ausstrahlen: Le Pen mobilisiert die Stammwählerschaft und führt in den großen TV-Formaten; Bardella steht für Kontinuität, jüngere Zielgruppen und Tag-zu-Tag-Management. Beobachter deuten die Konstellation als Versuch, geschlossene Reihen zu demonstrieren und zugleich einen geordneten Machtkorridor für die Zeit nach 2027 offenzuhalten.

Der juristische Kontext bleibt dabei prägend. Le Pen wurde in erster und zweiter Instanz verurteilt, bestreitet die Vorwürfe und will den Instanzenzug ausschöpfen. Das Kassationsverfahren klärt keine Tatsachen, prüft aber Rechtsfragen – ein Ausgang, der Zeit braucht und den Wahlkalender überlagern kann. Gegner verweisen auf ein mögliches Ineligibilitätsrisiko; im RN wird das als kalkulierbares Verfahren dargestellt, dessen Planung in die Kampagnenarchitektur eingepreist sei.

Politisch steht die Neuordnung für eine Rückkehr zu vertrauten Symbolen des RN: Personalisierung an der Spitze, klare Rollen darunter. Kurzfristig verschafft das der Partei Entscheidungssicherheit bei Botschaften, Verantwortlichkeiten und Terminen. Mittel- bis langfristig hängt der Erfolg davon ab, ob die Doppelspitze Spagat und Disziplin wahrt: zwischen juristischen Terminen, der Ansprache wirtschaftlich verunsicherter Wählerinnen und Wähler und dem Anspruch, über den harten Kern hinaus anschlussfähig zu bleiben. Die nächsten Markierungen sind die Einlegung der Kassationsbeschwerde und die programmatische Verdichtung des Tandems Le Pen–Bardella in Richtung Wahljahr 2027.

Quellen

  • Franceinfo (RSS)
  • Le Monde
  • TF1 Info
  • EFE