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Jean-Paul Huber · 30.06.2026

RN-Sprecher Ménagé will MaPrimeRénov’ abschaffen und durch zinsfreie Kredite ersetzen

Paris – 30.06.2026: Thomas Ménagé, Abgeordneter des Loiret und Sprecher der Fraktion des Rassemblement National in der Nationalversammlung, hat in der France-2-Sendung "4V" die Abschaffung von MaPrimeRénov' gefordert. Die staatliche Förderung für energetische Sanierungen solle durch zinsfreie Kredite ersetzt werden. Öffentliche Mittel, so Ménagé, sollten nicht länger in aus seiner Sicht fehlerhafte oder schlecht ausgeführte Renovierungen fließen, sondern Haushalten über Darlehen zielgerichtet zur Verfügung stehen. Parallel sprach er sich für ein groß angelegtes Programm zur Klimatisierung von Schulen, Pflegeheimen und anderen öffentlichen Gebäuden aus.

Seine Aussagen fallen in eine Phase anhaltender Debatten über die Ausrichtung der französischen Klimapolitik im Gebästand. MaPrimeRénov' bündelt seit 2020 verschiedene Hilfen für Eigentümerinnen und Eigentümer, um Heizungstausch, Dämmung und weitere Sanierungsmaßnahmen zu unterstützen. Kritikerinnen und Kritiker bemängeln jedoch Verwaltungsaufwand, Betrugsfälle und Qualitätsmängel bei einzelnen Projekten. Aus RN-Kreisen wurde bereits zuvor das Modell "100 % Rénov'" skizziert, das flächendeckend zinsfreie Kredite vorsieht und die Rückzahlung über lange Laufzeiten streckt. Befürworter eines Kreditmodells argumentieren, es ermögliche größere Vorhaben und diszipliniere die Ausführung, weil Mittel zweckgebunden und rückzahlbar seien.

Gegenwind kommt aus Handwerksverbänden und Ministerien. Sie warnen, ein abrupter Systemwechsel könne Planungssicherheit gefährden, laufende Bauvorhaben verzögern und Haushalte verunsichern, die mit Förderzusagen kalkuliert haben. Zudem verweisen Branchenvertreter darauf, dass Zuschüsse einkommensschwache Haushalte besser erreichen als Kredite, selbst wenn diese zinsfrei sind. Aus Regierungskreisen heißt es sinngemäß, eine Reform müsse Qualitätskontrollen stärken, ohne die Nachfrage einbrechen zu lassen. In den vergangenen Monaten war MaPrimeRénov' mehrfach nachjustiert worden, etwa durch strengere Anforderungen an zertifizierte Betriebe und eine Anpassung der Fördersätze.

Ménagé verknüpfte seine Forderungen mit scharfer Kritik an der staatlichen Reaktion auf die jüngste Hitzewelle. Nach seiner Darstellung trugen vor allem Pflegekräfte und Rettungsdienste die Hauptlast. Ein flächendeckendes Klimatisierungsprogramm für öffentliche Gebäude solle daher Priorität erhalten, um besonders gefährdete Gruppen zu schützen. Befürworter der bestehenden Förderlogik entgegnen, dass nachhaltige Kühlung im Gebästand ohne energetische Sanierung kaum wirksam sei und zusätzliche Lastspitzen im Stromnetz erzeugen könne. Die politische Auseinandersetzung dreht sich somit nicht nur um die Wahl des Finanzierungsinstruments, sondern um die strategische Reihenfolge: erst Sanieren und Last senken – oder zugleich verstärkt in Kühltechnik investieren.

Wie die Regierung mit den RN-Vorschlägen umgeht, ist offen. Für eine Gesetzesänderung wäre eine tragfähige Mehrheit nötig, zudem müssten Budgetrahmen und soziale Kriterien neu verhandelt werden. Klar ist: Angesichts wiederkehrender Hitzewellen und ambitionierter Klimaziele im Gebäudesektor wird der Wettbewerb der Modelle – Zuschuss gegen Kredit, Dämmung gegen Kühlung oder beides in Kombination – die Agenda in Paris in den kommenden Wochen bestimmen.

Quellen

  • franceinfo
  • La Tribune
  • TF1 Info
  • La Dépêche