Paris – 14.07.2026: Während die Fußball-Weltmeisterschaft in ihre entscheidende Phase geht, erhält der französische Sportjournalist Christophe Gleizes neue Unterstützung aus vier Ländern. Berufsverbände und Kolleginnen und Kollegen aus Frankreich, Spanien, England und Argentinien, den Herkunftsländern der Halbfinalisten, haben sich mit einem gemeinsamen Zeichen der Solidarität an den seit mehr als einem Jahr in Algerien inhaftierten Reporter gewandt.
Die Geste verleiht einem Fall Sichtbarkeit, der im Lärm eines Großturniers leicht untergehen könnte. Gleizes, der unter anderem für die Magazine So Foot und Society arbeitet, war im Mai 2024 nach Tizi Ouzou gereist, um über den traditionsreichen kabylischen Verein JS Kabylie zu recherchieren. Aus einer Reportage wurde ein Verfahren, aus der journalistischen Reise eine lange Gefangenschaft.
Am 29. Juni 2025 verurteilte ein Gericht in Tizi Ouzou den damals 36 Jahre alten Franzosen zu sieben Jahren Haft. Ihm wurden die Verherrlichung des Terrorismus sowie der Besitz von Schriften zu Propagandazwecken vorgeworfen. Das Berufungsgericht bestätigte das Urteil am 3. Dezember 2025. Gleizes bestreitet nach Darstellung seiner Unterstützer die gegen ihn erhobenen Vorwürfe.
Seine Familie, Reporter ohne Grenzen und die französische Fußballwelt haben den Fall längst zu einer Angelegenheit gemacht, die über das Schicksal eines einzelnen Kollegen hinausweist. Die FIFA hatte Gleizes im Juni 2026 symbolisch für die Weltmeisterschaft akkreditiert. Eine Pressekarte, die ihm den Zugang zu Stadien und Mannschaften eröffnen würde, bleibt damit zugleich ein stilles Dokument seiner Abwesenheit.
Dass nun Sportjournalisten aus den vier Halbfinal-Ländern zusammenstehen, ist mehr als eine höfliche Geste unter Kollegen. Gerade im Fußball, der sich gern als universelle Sprache versteht, erinnert sie daran, dass Berichterstattung nicht nur aus Ergebnissen, Tabellen und großen Bildern besteht. Sie lebt von Menschen, die hinsehen, nachfragen und auch dorthin reisen, wo Geschichten unbequem werden können.
Die Unterstützung aus Spanien, England und Argentinien erweitert den französischen Appell zu einer internationalen Stimme. Sie richtet sich an die algerischen Behörden und an Präsident Abdelmadjid Tebboune, von dem sich Gleizes' Angehörige weiterhin eine Begnadigung erhoffen. Ein solches Verfahren würde das Urteil nicht aufheben, könnte dem Journalisten jedoch die Rückkehr zu seiner Familie ermöglichen.
Für die Kollegen bleibt der Gedanke an Gleizes während des Turniers besonders naheliegend: Ein Fußballreporter sitzt in einer Zelle, während die Welt auf den Rasen blickt. Der gemeinsame Aufruf der Sportpresse hält dagegen, ruhig und beharrlich, dass sein Platz nicht hinter Gefängnismauern liegt, sondern bei der Arbeit, für die er nach Algerien gereist war.
Quellen
- Franceinfo
- Reporter ohne Grenzen
- FIFA
- Französischer Fußballverband
- Associated Press