Paris – 14.07.2026: Fünfundzwanzig Soldaten der ukrainischen Präsidialgarde haben am französischen Nationalfeiertag an der Militärparade auf den Champs-Elysees teilgenommen. Sie marschierten im Verband der Koalition der Willigen, deren Delegationen die Eröffnung des Defilees prägten. Präsident Emmanuel Macron und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verfolgten die Zeremonie in Paris.
Die Anwesenheit der ukrainischen Einheit gab dem traditionellen Aufmarsch eine aussergewöhnlich direkte politische Bedeutung. Frankreich stellte die Ausgabe 2026 unter das Leitmotiv einer strategisch handlungsfähigeren Europäischen Union und ihrer Partner. Die militärische Repräsentation sollte damit nicht bloss Solidarität mit Kiew bekunden, sondern die Bereitschaft Europas markieren, grössere Verantwortung für die Sicherheit des Kontinents zu übernehmen.
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums waren Delegationen aus 35 Staaten der Koalition der Willigen vertreten. Insgesamt eröffneten rund 500 ausländische Soldaten die Parade, gefolgt von den 25 ukrainischen Militärangehörigen. Neben europäischen Staaten beteiligten sich auch Kanada, Australien und Japan. Das Ministerium hatte für die gesamte Parade mehr als 6000 marschierende Soldaten und 36 ausländische Nationen angekündigt.
Die Koalition der Willigen ist eine von Frankreich und Grossbritannien getragene politische Initiative. Ihr Ziel besteht darin, Sicherheitsgarantien für die Ukraine für den Fall eines Waffenstillstands zu organisieren und zugleich die Unterstützung für die ukrainischen Streitkräfte fortzusetzen. Im Mittelpunkt stehen nach französischer Darstellung die Wiederherstellung militärischer Fähigkeiten der Ukraine sowie mögliche Absicherungen zu Land, in der Luft und auf See.
Dem Defilee ging am 13.07.2026 in Paris ein Treffen der Staats- und Regierungschefs der Koalition voraus. Selenskyj nahm daran als Gast teil. Die Zusammenkunft stand im Zeichen der Abstimmung europäischer Unterstützungszusagen und der Frage, wie eine dauerhafte Friedensregelung gegen eine erneute russische Aggression abgesichert werden könnte. Konkrete Einsatzentscheidungen für ausländische Truppen in der Ukraine waren nicht Gegenstand der Parade.
Für Macron verband sich der nationale Feiertag damit sichtbar mit der sicherheitspolitischen Neuorientierung Frankreichs. Das Defilee blieb zwar eine Zeremonie der französischen Streitkräfte, erhielt aber durch die ausländischen Kontingente einen europäischen Rahmen. Die ukrainische Präsidialgarde stand am Ende dieses internationalen Blocks und verkörperte zugleich den fortdauernden Verteidigungskrieg ihres Landes gegen die russische Invasion.
Die Symbolik ist auch institutionell bedeutsam: Frankreich demonstrierte die Verbindung zwischen nationaler Landesverteidigung, europäischer Abschreckung und der Unterstützung eines angegriffenen Partners. Ob die Koalition daraus belastbare Sicherheitsstrukturen entwickeln kann, hängt jedoch von politischen Beschlüssen ihrer Mitgliedstaaten, von langfristiger militärischer Finanzierung und vom weiteren Verlauf des Krieges ab.
Quellen
- Ministere des Armees et des Anciens combattants
- Ministere de l'Europe et des Affaires etrangeres
- TF1 Info