Washington – 16.07.2026: Das US-Verteidigungsministerium plant jährliche Untersuchungen auf Testosteronmangel für Angehörige der Streitkräfte ab 30 Jahren. Verteidigungsminister Pete Hegseth stellte das Programm am Mittwoch, 15. Juli, vor. Jüngere Militärangehörige sollen den Test freiwillig in Anspruch nehmen können. Hegseth verbindet die neue Vorsorge mit dem Ziel, Gesundheit, Belastbarkeit und Einsatzfähigkeit der Truppe langfristig zu stärken.
Die Blutuntersuchung soll in die ohnehin vorgesehenen regelmäßigen Gesundheitschecks aufgenommen werden. Nach Angaben Hegseths sinkt der Testosteronwert bei vielen Menschen mit zunehmendem Alter. Wer medizinisch festgestellte niedrige Werte aufweist, soll freiwillig eine Testosteron-Ersatztherapie erhalten können. Die Teilnahme an einer solchen Behandlung ist demnach keine Voraussetzung für den Dienst und keine automatische Folge eines Testergebnisses.
Das Ministerium begründet die Maßnahme vor allem mit den Anforderungen militärischer Einsätze. Hegseth erklärte, moderne Gefechtssituationen verlangten körperliche und psychische Belastbarkeit. Konkrete Angaben dazu, wie viele Angehörige der Streitkräfte voraussichtlich betroffen sein werden, welche Grenzwerte gelten oder wann die Routineuntersuchungen tatsächlich beginnen, wurden mit der Ankündigung jedoch nicht veröffentlicht.
Mediziner weisen darauf hin, dass ein einzelner Laborwert für eine verlässliche Diagnose nicht genügt. Die Konzentration des Hormons kann im Tagesverlauf schwanken. Fachleute empfehlen deshalb, Beschwerden und wiederholt gemessene Werte gemeinsam zu bewerten, bevor eine Therapie begonnen wird. Testosteron-Behandlungen werden üblicherweise bei nachgewiesenem Mangel und entsprechenden gesundheitlichen Problemen erwogen, nicht allein zur Leistungssteigerung.
Unklar bleibt zudem, wie das Programm auf Soldatinnen angewandt wird. In seiner Videobotschaft sprach Hegseth allgemein über Militärangehörige, der Schwerpunkt der Erläuterungen lag jedoch auf altersbedingten Testosteronwerten bei Männern. Das Pentagon machte auf Nachfragen keine weitergehenden Angaben zu möglichen Hormonuntersuchungen für Frauen oder zu den konkreten medizinischen Verfahren in den einzelnen Teilstreitkräften.
Die demokratische Senatorin und Irak-Veteranin Tammy Duckworth forderte, hormonmedizinische Angebote geschlechtsübergreifend zu gestalten. Sie verwies darauf, dass Fruchtbarkeitsprobleme sowohl Männer als auch Frauen im Militär betreffen könnten. Die Abgeordnete Chrissy Houlahan kritisierte die politische Botschaft des Vorhabens. Beide verlangen vom Verteidigungsministerium präzisere Informationen über Zugang, Kriterien und gesundheitliche Folgen des Programms.
Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der Hegseth die körperlichen Standards und die medizinische Betreuung der US-Streitkräfte stärker in den Mittelpunkt stellt. Das neue Verfahren ist zunächst als Gesundheitsvorsorge beschrieben, nicht als zusätzlicher sportlicher Eignungstest. Ob die Testergebnisse Einfluss auf die Verwendung, Beförderung oder Einsatzplanung einzelner Militärangehöriger haben werden, ist derzeit nicht festgelegt.
Quellen
- Associated Press
- The Washington Post
- U.S. Department of Defense