Post

Betrunkene Rehe auf Burgunds Straßen – warum die Gendarmerie plötzlich zur Vorsicht mahnt

metered

Die Warnung klingt zunächst wie eine kuriose Meldung aus dem Sommerloch. Doch in der französischen Region Saône-et-Loire nehmen Polizei und Behörden das Thema ausgesprochen ernst. Die Gendarmerie ruft Autofahrer derzeit zu besonderer Vorsicht auf – wegen offenbar „betrunkener“…

Die Warnung klingt zunächst wie eine kuriose Meldung aus dem Sommerloch. Doch in der französischen Region Saône-et-Loire nehmen Polizei und Behörden das Thema ausgesprochen ernst. Die Gendarmerie ruft Autofahrer derzeit zu besonderer Vorsicht auf – wegen offenbar „betrunkener“ Rehe, die sich orientierungslos an Straßen und Waldrändern bewegen.

Tatsächlich steckt hinter der ungewöhnlichen Warnung ein ganz natürliches Phänomen. In Wäldern, Streuobstwiesen und ländlichen Gebieten fallen derzeit zahlreiche Früchte zu Boden. Äpfel, Birnen oder Pflaumen beginnen nach einigen Tagen zu gären, besonders bei milden Temperaturen und feuchter Witterung. Dabei entsteht Alkohol – nicht in großen Mengen, aber offenbar genug, um Wildtiere aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Wer schon einmal im Herbst an einem alten Obstgarten vorbeigelaufen ist, kennt diesen süßlich-schweren Geruch vergorener Früchte. Für Rehe scheint das Zeug allerdings eine ziemlich berauschende Sache zu sein.

Mehrere Autofahrer meldeten in den vergangenen Tagen Tiere, die plötzlich auf Fahrbahnen liefen, regungslos am Straßenrand standen oder unkontrolliert die Richtung wechselten. Die örtliche Gendarmerie beschreibt das Verhalten als unberechenbar. Gerade in den frühen Morgenstunden oder in der Abenddämmerung steigt dadurch die Gefahr schwerer Wildunfälle deutlich an.

Und die Zahlen dahinter sind alles andere als harmlos. Jedes Jahr kommt es in Frankreich zu mehreren tausend Kollisionen zwischen Fahrzeugen und Wildtieren. Besonders häufig beteiligt: Rehe. Sie reagieren schnell, springen oft unvermittelt auf die Straße und lassen sich kaum einschätzen. Gerät ein Tier zusätzlich durch vergorene Früchte in einen desorientierten Zustand, wächst das Risiko noch einmal spürbar.

Die Behörden empfehlen deshalb, in bewaldeten Bereichen langsamer zu fahren und Warnschilder für Wildwechsel ernst zu nehmen. Fernlicht könne helfen, Tiere frühzeitig zu erkennen – sofern der Gegenverkehr es zulässt. Gleichzeitig warnen die Einsatzkräfte davor, bei plötzlich auftauchendem Wild hektisch auszuweichen. Ein überstürztes Lenkmanöver endet häufig gefährlicher als der Zusammenstoß selbst.

Hinter der kuriosen Geschichte steckt allerdings noch ein größerer Zusammenhang. Fachleute beobachten seit Jahren, dass Begegnungen zwischen Wildtieren und menschlicher Infrastruktur zunehmen. Wälder grenzen immer häufiger direkt an Wohngebiete oder Schnellstraßen. Gleichzeitig verändern mildere Temperaturen und längere Vegetationsperioden das Verhalten vieler Tierarten. Die Natur rückt näher an den Menschen heran – manchmal wortwörtlich bis auf die Motorhaube.

In sozialen Netzwerken verbreitete sich die Warnung der Gendarmerie rasend schnell. Kommentare über „durchfeierte Nächte“ burgundischer Rehe oder „tierische Weinverkostungen“ ließen nicht lange auf sich warten. Ein bisschen Dorfkneipen-Humor gehört offenbar dazu.

Doch die Beamten machen klar: Ein verwirrtes Wildtier ist kein Scherz. Für Autofahrer ebenso wenig wie für die Tiere selbst. Die ungewöhnliche Warnung soll deshalb vor allem eines verhindern – dass aus einer skurrilen Geschichte plötzlich ein schwerer Unfall wird.

Von C. Hatty