Paris – 18.07.2026: Die Kinowoche, die am 15. Juli in Frankreich gestartet ist, spannt ihren Bogen ungewoehnlich weit: von Homers Mittelmeer über das naechtliche Paris bis in ein indisches Dorf. Fuenf Filme, die kaum verschiedener sein koennten, verbindet die Lust am grossen Erzählen – und die Frage, wie Menschen nach Hause finden, sich erinnern oder einer Wirklichkeit entkommen, die ihnen zu eng geworden ist.
Den groessten Saal beansprucht Christopher Nolan mit "Die Odyssee". Seine fast dreistuendige Verfilmung des homerischen Epos folgt Odysseus auf dem gefahrvollen Rueckweg nach Ithaka. Matt Damon spielt den listenreichen Koenig, Tom Holland und Anne Hathaway gehoeren ebenfalls zur Besetzung. Nolan setzt auf das grosse IMAX-Format, doch der antike Stoff bleibt dabei mehr als ein Muskelspiel der Technik: Im Zentrum steht ein Mann, den das Ende eines Krieges nicht etwa befreit, sondern erst in die eigentliche Pruefung schickt.
Ganz anders blickt Elie Wajemans "Komet" auf Paris. Waerend am Himmel ein Schweifstern erscheint, kreuzen sich die Wege von achtzehn Figuren in einer Stadt, die zugleich hellwach und sonderbar entrueckt wirkt. Vincent Macaigne, Sandor Funtek und Alexia Chardard tragen dieses Ensemble. Der Film verbindet Kriminalgeschichte, Liebeswirren, Komoedie und Melancholie; seine Pariser Nacht besitzt, wie es sich für eine Kometenerscheinung gehoert, etwas Verheissungsvolles und etwas leicht Beunruhigendes.
Mit "Das ertraeumte Abenteuer" kehrt die deutsche Regisseurin Valeska Grisebach in eine Welt an Europas Raendern zurueck. Ihre Archäologin Veska lebt in Swilengrad, einer bulgarischen Grenzstadt nahe Griechenland und der Tuerkei. Als sie einem Freund helfen will, gerät sie in das Einflussgebiet krimineller Strukturen. Grisebach, deren Film in Cannes im Wettbewerb lief und den Preis der Jury erhielt, verwandelt diese Konstellation in einen leisen weiblichen Western: Die Heldin beobachtet lange, bevor sie handelt.
Anders Thomas Jensen laesst in "The Last Viking" zwei Brueder durch eine schwarze, sehr nordische Farce taumeln. Ein Bankraeuber sucht nach fuenfzehn Jahren Haft seine Beute; sein Bruder kennt das Versteck, lebt jedoch in den Verwundungen einer Kindheit, die sich nicht einfach wegspielen laesst. Mads Mikkelsen und Nikolaj Lie Kaas verbinden absurde Komik mit einer erstaunlich zarten Geschichte über Schuld, Erinnerung und familiaere Loyalitaet.
Am stillsten ist Pan Nalins "Die letzte Vorstellung", dessen französischer Kinostart ebenfalls auf den 15. Juli fiel. Im laendlichen Gujarat entdeckt der neunjährige Samay um 2010 das Kino und freundet sich heimlich mit dem Filmvorfuehrer an. Waerend das 35-Millimeter-Zeitalter schwindet, wird die Vorfuehrkabine zum Ort einer Initiation. Nach all den Heldenfahrten, Verbrechen und Himmelszeichen erinnert dieser Film daran, dass die erste Begegnung mit einer Leinwand noch immer ein kleines Wunder sein kann.
Quellen
- Franceinfo Culture
- Festival de Cannes
- AlloCine
- Telerama
- Le Grand Rex