Paris – 20.07.2026: Eine Gedenktafel zu Ehren von Arsène und Angèle Richard sowie ihrer Tochter Marcelle ist im 12. Arrondissement von Paris beschädigt worden. Die Tafel befindet sich am Haus Nummer 15 in der Rue Louis-Braille. Sie würdigt die Familie Richard, die während der nationalsozialistischen Besatzung einem Kind das Leben rettete.
Nach übereinstimmenden Berichten wurde die Tafel in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli beschädigt und zerbrach dabei in mehrere Teile. Der Vorfall ereignete sich in zeitlichem Zusammenhang mit den Gedenkveranstaltungen zur Razzia im Velodrom d'Hiver. Über mögliche Tatverdächtige oder die genauen Umstände der Beschädigung wurden zunächst keine gesicherten amtlichen Angaben veröffentlicht.
Arsène und Angèle Richard sowie Marcelle Richard werden als Gerechte unter den Völkern geehrt. Die Auszeichnung würdigt Menschen, die Jüdinnen und Juden während der Verfolgung unter deutscher Besatzung und dem Vichy-Regime geholfen haben. Die Pariser Tafel für die Familie wurde am 8. Juni 2021 eingeweiht und gehört zu den lokalen Erinnerungsorten für zivile Hilfe und Widerstand.
Die Erinnerung verweist auf die Razzia vom 16. und 17. Juli 1942. Damals verhafteten französische Polizeikräfte und Gendarmen in Paris und der näheren Umgebung nach staatlichen Vorgaben 12.884 Männer, Frauen und Kinder. Tausende jüdische Menschen wurden im Velodrom d'Hiver zusammengetrieben, bevor die Deportationen in nationalsozialistische Vernichtungslager folgten.
Die französische nationale Gedenkveranstaltung für die Opfer rassistischer und antisemitischer Verbrechen des französischen Staates und für die Gerechten fand 2026 am 19. Juli statt. Das Verteidigungsministerium erinnerte dabei daran, dass insgesamt mehr als 13.000 Jüdinnen und Juden in der Region Paris von der Verfolgungsaktion betroffen waren. Die Beschädigung der Tafel fiel damit in eine besonders sensible Phase öffentlicher Erinnerung.
Der Pariser Bürgermeister Emmanuel Gregoire verurteilte die Tat laut Medienberichten scharf und bezeichnete sie als antisemitischen Akt. Eine solche Einordnung ist von erheblicher Bedeutung, doch die rechtliche Bewertung liegt bei den zuständigen Ermittlungs- und Justizbehörden. Ob bereits eine Anzeige erstattet oder ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde, war bis Montag nicht offiziell bestätigt.
Der Fall lenkt den Blick erneut auf den Schutz von Erinnerungsorten im öffentlichen Raum. Die Tafel in der Rue Louis-Braille steht nicht allein für das Schicksal eines geretteten Kindes, sondern auch für das Handeln einer Familie, die unter persönlichem Risiko Hilfe leistete. Ihre Beschädigung trifft daher einen Ort, der Verfolgung, Rettung und historische Verantwortung miteinander verbindet.
Quellen
- Komitee Frankreich für Yad Vashem
- Französisches Verteidigungsministerium und Gedenkwege
- Le Journal du Dimanche