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Patrice Tiko · 16.07.2026

Gleizes-Familie hofft bei Tebboune-Besuch in Berlin auf deutsche Vermittlung

Berlin – 16.07.2026: Der Staatsbesuch des algerischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune in Deutschland weckt bei den Angehörigen des französischen Journalisten Christophe Gleizes neue Hoffnung auf eine diplomatische Initiative. Tebboune wird am Donnerstag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit militärischen Ehren empfangen. Vorgesehen ist ein Gespräch der beiden Staatsoberhäupter. Die Familie Gleizes hofft, dass der Fall des seit mehr als einem Jahr in Algerien festgehaltenen Reporters dabei zur Sprache kommt.

Christophe Gleizes arbeitet als freier Journalist, unter anderem für die französischen Magazine So Foot und Society. Er war im Mai 2024 nach Algerien gereist, um über den Fußballclub Jeunesse Sportive de Kabylie zu recherchieren. Nach seiner Festnahme durfte er das Land nicht verlassen. Ende Juni 2025 verurteilte ihn ein Gericht in Tizi Ouzou zu sieben Jahren Haft; im Dezember 2025 bestätigte ein Berufungsgericht das Urteil.

Die algerische Justiz sprach Gleizes wegen Verherrlichung des Terrorismus und des Besitzes von Publikationen zu Propagandazwecken zulasten nationaler Interessen schuldig. Reporter ohne Grenzen weist diese Vorwürfe zurück und bewertet die Verurteilung als Angriff auf die Pressefreiheit. Die Organisation betont, die journalistischen Recherchen des französischen Fußballreporters hätten sich auf berufliche Themen wie die Geschichte der JS Kabylie, ein Trainerinterview und ein Spielerporträt bezogen.

Nach Angaben des Unterstützungskomitees bestehen Kontakte zur deutschen Regierung und zum Bundespräsidialamt, ebenso zu spanischen Stellen. Eine konkrete Zusage für eine Vermittlung oder eine mögliche Entlassung gibt es jedoch nicht. Für die Angehörigen liegt die Entscheidung letztlich bei Tebboune: Als algerischer Präsident könnte er im Rahmen seiner verfassungsmäßigen Befugnisse eine Begnadigung verfügen.

Die Erwartungen an Berlin knüpfen an den Fall des französisch-algerischen Schriftstellers Boualem Sansal an. Sansal war im November 2025 nach deutscher Vermittlung begnadigt worden. Der Vorgang hat gezeigt, dass Deutschland in der schwierigen Beziehung zwischen Paris und Algier als Gesprächskanal wirken kann. Daraus folgt allerdings kein unmittelbarer Präzedenzfall: Jeder Gnadenentscheid bleibt eine souveräne Entscheidung der algerischen Staatsführung.

Für Berlin ist der Besuch zugleich von wirtschaftlicher und energiepolitischer Bedeutung. Deutschland und Algerien arbeiten seit Jahren in Fragen von Handel, erneuerbaren Energien und Wasserstoff zusammen. Deutschland zählt zu Algeriens wichtigen europäischen Handelspartnern; die Energiepartnerschaft und der geplante H2-Südkorridor geben den bilateralen Beziehungen zusätzlich strategisches Gewicht. Diese Interessen schaffen Gesprächsanlässe, ersetzen aber keine öffentliche Einmischung in ein laufendes Justizverfahren.

Der Fall Gleizes bleibt damit ein Prüfstein für die Verbindung von Menschenrechtsanliegen und pragmatischer Diplomatie. Frankreich fordert seit Langem seine Freilassung, während Algerien auf der Rechtskraft des Urteils beharrt. Ob der Berliner Besuch eine Bewegung bringt, ist offen. Für Gleizes' Familie wäre bereits ein klares Signal aus den Gesprächen ein Hinweis darauf, dass sein Schicksal auf höchster Ebene nicht in Vergessenheit geraten ist.

Quellen

  • Franceinfo
  • Le Parisien mit AFP
  • Reporter ohne Grenzen
  • Auswärtiges Amt