Nizza – 16.06.2026: Der Bürgermeister von Nizza, Éric Ciotti, hat in einem Schreiben an Premierminister Sébastien Lecornu den sofortigen Rücktritt des Verkehrsministers Philippe Tabarot gefordert. Anlass ist ein Vorfall am 14. Juni 2026 während des "Bharat Innovates"-Salons in Nizza, zu dem auch Präsident Emmanuel Macron und der indische Premierminister Narendra Modi eingeladen waren.
Ciotti wirft Tabarot vor, ihn öffentlich als "Nabot" (ein abwertender Ausdruck für Kleinwüchsigen) bezeichnet und ihm anschließend ins Ohr geflüstert zu haben: "Ich werde dich verschwinden lassen. Ich werde dich verschwinden lassen, indem ich dir Georgier schicke." Dieses Verhalten wertet Ciotti als ernsthafte Drohung und hat Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Nizza erstattet.
In seinem Brief an Premierminister Lecornu nennt Ciotti das Verhalten des Ministers "außerordentlich schwerwiegend" und fordert dessen sofortige Amtsenthebung. Der Bürgermeister betont, die Vorgänge seien ohne jegliche Provokation seinerseits vor mehreren Zeugen geschehen.
Dagegen weist das Umfeld von Tabarot die Anschuldigungen zurück. Es heißt, der Minister habe lediglich auf eine wiederholte Provokation Ciottis reagiert. Beide Politiker kennen sich seit rund 30 Jahren. Tabarot zufolge habe Ciotti ihm gegenüber damit gedroht, ihn "aus dem Senat" und sogar "aus der Regierung entfernen zu wollen". Diese Vorwürfe stehen im Rahmen einer Reihe öffentlicher und privater Streitigkeiten zwischen den beiden Politikern in den vergangenen Wochen.
Die Eskalation verdeutlicht die wachsenden Spannungen innerhalb der rechten politischen Szene in den Alpes-Maritimes. Ciotti hatte im Jahr 2024 die konservative Partei Les Républicains verlassen und sich nah am Rassemblement National positioniert. Tabarot hatte Ciotti zuvor vorgeworfen, die olympische Eissportveranstaltung der Spiele 2030 in Nizza zu gefährden, was die Stimmung weiter verschärfte.
Die Auseinandersetzung zwischen Ciotti und Tabarot wirft ein Schlaglicht auf interne Machtkämpfe innerhalb der französischen Rechten und droht, auch die anstehenden Senatswahlen zu beeinflussen. Die politische Landschaft in den Alpes-Maritimes befindet sich mitten in einer Phase der Neuordnung, in der persönliche Konflikte zunehmend die politische Debatte prägen.
Die Staatsanwaltschaft in Nizza bestätigte den Eingang der Beschwerde und prüft derzeit, ob strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet werden. Bislang sind jedoch keine weiteren rechtlichen Schritte bekannt. Gleichzeitig wächst in der Öffentlichkeit die Erwartung, wie die Regierung auf die Vorwürfe reagieren wird, die das Ansehen der politischen Klasse beeinträchtigen könnten.
In der politischen Debatte rund um den Vorfall wird auch die Rolle von Premierminister Sébastien Lecornu beobachtet, dessen Reaktion als Signal für den Umgang mit internen Konflikten und Machtkämpfen in der Regierung gilt. Die nächste Zeit wird zeigen, wie diese Krise innerhalb der rechten Parteienlandschaft in Südostfrankreich gelöst wird.
Quellen
- Franceinfo